Montagsinterview im Doppelpack: Der alte und der neue Hohenrodaer Bürgermeister schauen zurück und wagen einen Ausblick

Das Rathaus schließt bald ein anderer auf

Den Wechsel vollziehen: Hohenrodas Bürgermeister Jörg Schäfer (rechts) übergibt schon einmal symbolisch den Rathausschlüssel an seinen Nachfolger Andre Stenda (links). Schäfer war 18 Jahre Bürgermeister von Hohenroda. Er hatte nicht mehr für eine weitere Periode kandidiert. Die Amtsgeschäfte leitet ab dem 1. September der aus Trendelburg stammende Stenda. Er ist dann der aktuell jüngste Bürgermeister im Bundesland Hessen. Foto: Reymond

Oberbreitzbach. Mit dem 27 Jahre alten Andre Stenda tritt am 1. September der dann jüngste Bürgermeister Hessens in der Gemeinde Hohenroda sein Amt an. Wir haben mit ihm und dem zum 31. August aus dem Amt scheidenden Jörg Schäfer über die Aufgaben eines Gemeindeoberhauptes gesprochen.

Sie gehören beide unterschiedlichen Parteien oder Wählergruppierungen an und haben dennoch in den vergangenen Tagen bereits harmonisch miteinander gearbeitet. Ist das auch auf politischer Ebene ein Zukunftsmodell?

Stenda: Parteipolitik darf auf kommunaler Ebene keine Rolle spielen. Es muss um eine sachorientierte Politik im Sinne der Bürger Hohenrodas gehen. Deswegen bin ich froh darüber, dass ich schon vor meinem eigentlichen Amtsantritt von meinem Vorgänger mit eingebunden wurde. Das ermöglicht mir einen guten Start ins Amt.

Schäfer: Andernorts gibt es da sicherlich einige negative Beispiele. Aber bei meiner Arbeit stand immer das Wohl der Gemeinde und der Bürger im Vordergrund. Ich glaube schon, dass es mir gelungen ist, die Parteipolitik aus der kommunalen Arbeit herauszuhalten.

Welche Erfolge haben Sie rückblickend vorzuweisen?

Schäfer: Wir haben trotz der finanziell angespannten Situation viel erreicht. Wir haben Dorfentwicklungsprozesse in Ausbach, Ransbach und der Glaam begleitet, erfolgreich umgesetzt und jetzt noch einmal die Dorfentwicklung für ganz Hohenroda angestoßen. Wir verfügen über ausreichend Kindergartenplätze, haben die räumliche Möglichkeit im Ausbacher Kindergarten, das Obergeschoss für Krippenplätze herzurichten. Viele Straßen in allen Ortsteilen wurden umfangreich saniert und die Trinkwasserversorgung ist über sanierte Tiefenbrunnen in Verbindung mit dem Wasser-Abwasser Zweckverband (WAZV) gesichert. Und auch die interkommunale Zusammenarbeit läuft gut an. Mit Friedewald im Bereich der Finanzverwaltung, mit Schenklengsfeld beim Standesamt und mit beiden die Ortsjugendpflege. Bestes Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit ist der WAZV.

Teilen Sie diese Bilanz?

Stenda: Eine pauschale Aussage ist da nicht möglich. Ich muss mir erst einmal einen Gesamtüberblick verschaffen. Ich muss jetzt erst einmal Ordner wälzen und mir eine Prioritätenliste erarbeiten. Wegen gesetzlicher Änderungen muss ein Hauptaugenmerk auf der Kinderkrippe liegen. Auf jeden Fall will auch ich die interkommunale Zusammenarbeit weiter ausbauen. Und dann steht da ja das integrierte kommunale Entwicklungskonzept (IKEK) ganz oben auf der Tagesordnung.

Was hat für Sie denn oberste Priorität?

Stenda: Ganz wichtig ist in den kommenden Jahren die Haushaltskonsolidierung. Recht bald schon wollen wir den Haushalt für 2014 auf den Weg bringen, denn die Bürger wünschen sich Transparenz. Luftschlösser können wir als Schutzschirmkommune keine bauen. Aber auch wesentlich kleinere Projekte werden aufgrund des engen finanziellen Spielraums nicht alle zu realisieren sein.

Sind Sie mit Blick auf die vielen Hausaufgaben, die Ihr Nachfolger zu bewältigen hat froh darüber, den Ruhestand erreicht zu haben?

Schäfer: Unter diesen Rahmenbedingungen habe auch ich 18 Jahre arbeiten müssen. Ich kann das jetzt entspannter betrachten. Selbstverständlich habe ich großes Interesse daran, dass die Schulden Hohenrodas sinken und alles in geordneten Bahnen weitergeht.

Was reizt Sie an dem Job?

Stenda: Der Bürgermeister muss schlussendlich die Konsequenzen für alle politischen Entscheidungen in der Gemeinde tragen. Das reizt mich. Ich bin schon seit meinem 18. Lebensjahr kommunalpolitisch in meiner Heimatstadt Trendelburg aktiv. Als Stadtverordnetenvorsteher habe ich dort schon gut mit dem Bürgermeister zusammengearbeitet und gehe davon aus, dass wir auch in Hohenroda alle gut zusammenarbeiten werden.

Was machen Sie mit der vielen Freizeit?

Schäfer: Ich werde nicht in ein Loch fallen. Zunächst werde ich mit meiner Frau einen Wanderurlaub im Salzburger Land verbringen. Und dann bin ich Theaterfreund. Das ist in all den Jahren zu kurz gekommen. Auch um Haus und Hof werde ich mich kümmern. Aus der Kommunalpolitik vor Ort werde ich mich auf jeden Fall raushalten. Mein Kreistagsmandat werde ich weiterhin ausüben.

Und Ihnen wird als junger Mensch die Freizeit sicherlich fehlen, oder?

Stenda: Ich bin noch jung und habe schon viel erreicht. Zum Joggen und Radfahren finde ich bestimmt Zeit. Auch Fußball will ich nach Möglichkeit weiterhin spielen. Sport ist für mich wichtig, um auch im Berufsalltag stets einen klaren Kopf zu haben.

Bleiben Sie denn als gebürtiger Heringer der Gemeinde Hohenroda treu oder ziehen Sie von Ausbach wieder zurück?

Schäfer: (lacht) Ich fühle mich in Hohenroda sehr wohl und werde natürlich in Ausbach wohnen bleiben. Das ist übrigens auch der Wunsch meiner Frau, die auch aus Heringen stammt.

Sie sind in Hohenroda angekommen und haben sich im HessenHotelpark ein Ferienhäuschen gemietet...

Stenda: 60 Quadratmeter groß. Die reichen vorerst, da ich die meiste Zeit sowieso in der Verwaltung verbringen werde. Mit der Suche nach einer richtigen Wohnung kann ich mir also vorerst viel Zeit lassen.

Warum ist es Ihnen in all den Dienstjahren nicht gelungen, die einzelnen Ortsteile untereinander zu befrieden?

Schäfer: Ich finde schon, dass uns das bis zu Beginn des Themas Grundschule gut gelungen ist. Zumindest hatten wir politisch immer ein angenehmes Klima, auch wenn es immer wieder einmal unterschiedliche Ansichten gegeben hat. Vieles wird auch von außen hineininterpretiert. Man sollte eben nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.

Stenda: Ich finde schon, dass noch ein gewisses Kirchturmdenken vorhanden ist. Das ist in gewissem Maße auch hilfreich. Das überörtliche Denken wird spätestens jetzt beim IKEK einsetzen. Schließlich gehört auch der defizitäre Haushalt nicht einem Ortsteil alleine.

Schäfer: Rivalitäten gab es auch schon vor 18 Jahren. Ich bin überzeugt, dass im Sport mit dem Zusammenschluss von Ransbach und Mansbach zur FSG Hohenroda der richtige Weg eingeschlagen wurde und dies Signalwirkung auf andere Bereiche haben wird, auch in der Politik.

Was wünschen Sie Ihrem Gegenüber?

Stenda: Eine erholsame Zeit für sich und seine Familie.

Schäfer: Dass er die Bürger bei der Bewältigung seiner Arbeit mitnimmt. Der Mensch muss immer im Mittelpunkt des Handelns stehen.

Von Mario Reymond

Kommentare