Wochenendportrait: 90 Jahre alt – Arztpraxis Klein in dritter Generation

Praxis für einen Pfennig

Drei Generationen für die Gesundheit: Links steht Praxisgründer Otto Klein. Davor sitzt sein Sohn Gerald und rechts steht Enkel Frank, der heutige Praxischef. Foto: privat

Schenklengsfeld. Immer weniger Ärzte zieht es aufs Land. Auch Dr. Frank Klein aus Schenklengsfeld macht sich bereits Sorgen um die medizinische Versorgung in den Landgemeinden. Obwohl es seine Praxis bereits in dritter Generation in Schenklengsfeld gibt, ist die ländliche Idylle für Ärzte wenig reizvoll. Immer häufiger bleiben frei werdende Praxen auf dem Land unbesetzt.

„Wir haben hier am Ort zwar drei Praxen, aber wir Ärzte sind alle in etwa gleich alt und werden in zehn bis 15 Jahren aufhören. Was danach kommt, ist noch völlig offen“, erklärt Klein.

Keine Dorfromantik

Schon heute müssen vielerorts die Menschen weit fahren, um zu ihrem Hausarzt zu kommen. Die Zeiten der Dorfromantik für praktische Ärzte scheint also vorbei zu sein. Auch Frank Klein legt die Stirn in Falten, wenn er an die Zukunft seiner Praxis denkt, die einst von seinem Großvater Otto im Jahre 1924 gegründet worden war. Zwar ist auch Tochter Julia Ärztin und absolviert derzeit eine internistische Ausbildung in Frankfurt, schließt aber nach den Worten ihres Vaters eine Übernahme der Praxis in Schenklengsfeld zum heutigen Zeitpunkt aus.

„Aber wer weiß, was noch kommt. Auch ich habe zunächst nicht mit dem Gedanken gespielt, die Praxis in Schenklengsfeld zu übernehmen. Und dann habe ich von 1988 bis zum Ruhestand meines Vaters im Jahre 1991 gemeinsam mit ihm die Praxis geleitet und sie dann komplett übernommen“, erklärt Frank Klein.

Es bestehe also noch etwas Hoffnung, dass das Familienunternehmen, das im Jahre 1927 auf dem Gelände einer ehemaligen Müllkippe entstanden ist, vielleicht doch in die vierte Generation gehen könnte.

Das Grundstück am Malm kaufte Dr. Otto Klein seinerzeit von der Gemeinde. „Durch eine Indiskretion hatte er von dem bisherigen Höchstgebot gewusst und noch einmal einen Pfennig auf das bis dahin höchste Gebot draufgelegt“, berichtet Frank Klein.

Sein Großvater habe Hausbesuche mit dem Fahrrad gemacht und manchmal ritt er auf dem Pferd zu den Patienten. Und bei Entbindungen war der Hausarzt gefragt. Das blieb so bis ins Jahr 1965 hinein. Auch Gerald Klein – Chirurg und leidenschaftlicher Schnippler –, der am 1. Januar 1965 die Praxis von seinem Vater Otto übernahm, brachte ebenfalls Kinder zur Welt. Das letzte am Jahresende 1965. „Dann endlich durften alle Frauen zur Entbindung in die gynäkologischen und geburtshilflichen Abteilungen der Krankenhäuser gehen“, klärt Frank Klein auf.

Holzstall wird zum OP

Während sein Opa Otto in zwei großen Praxisräumen gearbeitet hatte, gestaltete Gerald Klein, unterstützt von seiner Ehefrau Lukrezia – sie war gelernte Krankenschwester – die Praxis komplett um, weil immer mehr Menschen zur Behandlung kamen. Die alte Waschküche wurde als Therapieraum hergerichtet und der alte Holzstall in einen kleinen OP-, Untersuchungs- und Laborraum umgewandelt. „Ich habe in alten Abrechnungen meines Vaters aus 1978 eine Zahl von 2022 betreuten Patienten im Vierteljahr gefunden. Später schafften wir zu zweit eine maximale Patientenzahl von 2200 pro Quartal“.

Seit 1998 ist das Arzthaus in Schenklengsfeld Schwerpunktpraxis für Diabetologie. Die Praxisfläche wurde verdoppelt. Derzeit werden 800 Diabetiker betreut. Neben Frank Klein gehören noch zwei weitere Ärzte sowie 14 Arzthelferinnen – meist Teilzeitkräfte – sowie eine Reinigungsfrau zum Team.

Von Mario Reymond

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