Ärger wegen geplanter Einleitung von Salzlauge an der Oberweser – Rot-Grün denkt um

Pipeline bis zur Nordsee?

Blick auf eine Ablaufrinne für Salzlauge im Kaliwerk Neuhof-Ellers bei Fulda am Fuß des Abraumberges. Foto: Uwe Zucchi dpa/lhe

hannover/kassel. Demos, Protestresolutionen, hitzige Debatten: Seit Planungen für eine Abwasserleitung aus den K+S-Kalifabriken in Osthessen zur Oberweser konkret werden, gehen Flussanlieger auf die Barrikaden. Die Idee, Salzabwässer zur Schonung der Werra direkt per Rohr zur Weser zu schaffen, findet dort keine Freunde.

Vor allem wegen großer Pufferspeicher, die irgendwo kurz vor der Einleitstelle gebaut würden.

Die rot-grüne Landesregierung in Hannover will diesen Ärger abräumen. Nach Informationen unserer Zeitung hat eine hochrangige Regierungsdelegation Anfang Mai bei K+S in Kassel sondiert. Den Bau der Oberweser-Variante will Rot-Grün „mit allen Möglichkeiten verhindern“ – die Pipeline zur Nordsee soll Schub erhalten. Zuletzt hatte Dr. Hans Brinckmann, Leiter des runden Tisches zur Werraversalzung, Niedersachsen am 7. Mai beim Wesertag „zu einem klaren Wort“ aufgefordert.

Neupositionierung

Das Rohr zur Küste ist in der Koalitionsvereinbarung – anders als ein scharfes Nein zum Rohr an die Weser – zwar nicht erwähnt. Das für Landesplanung zuständige Agrarministerium von Christian Meyer (Grüne) spricht trotzdem von „Neupositionierung“.

Das zielt auch auf die SPD, die zu Zeiten der Vorgängerregierung mit Schwarz-Gelb noch gegen eine Leitung zur Küste votiert hat. Längst wird umgedacht, heißt es aus der SPD. Offenbar auch um zögernde Genossen mitzunehmen, sollen „noch einmal technische Möglichkeiten der Vermeidung und deutlichen Reduzierung von Salzabfällen vor Ort geprüft werden“, so das Agrarministerium. Genau diese Frage beschäftigt am 6. Juni den runden Tisch.

Niedersachsen wolle die Salzeinleitung in Werra und Weser schnell beenden und mit Einhaltung der EU-Wasserrahmenrichtlinie den ökologischen Zustand des ganzen Flussgebietssystems verbessern, stellte das Agrarministerium klar. Kommentar, HINTERGRUND

Von Wolfgang Riek

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