Oberhaupt der Neuapostolischen Kirche Dr. Wilhelm Leber besucht Philippsthal

Pilgerzug ins Werratal

Diese Gelegenheit kommt vielleicht nur einmal im Leben: Gemeindemitglieder der Neuapostolischen Kirche treffen ihr geistliches Oberhaupt, Stammapostel Dr. Wilhelm Leber, vor dem Festsaal der Kreuzberghalle in Philippsthal. Foto: Spanel

Philippsthal. Einen ganzen Vormittag lang wurde es eng im sonst so beschaulichen Philippsthal. Zu den 4193 Einwohnern der Marktgemeinde an der Werra gesellten sich am Sonntag weit über 1000 Gäste, die zum Teil mit Reisebussen aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren. Wer gegen 10 Uhr noch einen Parkplatz suchte, musste bald resigniert aufstecken.

Stattdessen konnte der geneigte Betrachter lange Reihen von festlich gekleideten Damen und Herren in schwarzen Anzügen in der Kreuzberghalle verschwinden sehen.

Dr. Wilhelm Leber, Stammapostel und damit weltweites geistliches Oberhaupt von zehn Millionen Gläubigen der Neuapostolischen Kirche, besuchte die Gebietskirche Hessen-Rheinland-Pfalz-Saarland, um einen Gottesdienst abzuhalten.

„Für uns ist das eine Sensation. Zumal der letzte Besuch eines Stammapostels in unserer Gebietskirche schon zwölf Jahre zurückliegt“, sagt Michael Pospischil, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit der Neuapostolischen Kirche im Kreis Hersfeld. Ein knappes Jahr lang hätten sich die zwölf Gemeinden des Bezirks intensiv auf den Besuch vorbereitet. „Von der Organisation bis hin zu den Musikbeiträgen – alles ehrenamtlich“, betont Pospischil.

Übertragung in alle Welt

Hinter der Kreuzberghalle parken schon seit Tagen imposante Übertragungswagen. Um auch die Gemeindemitglieder in der Türkei, Zypern, Griechenland, Luxemburg und Belgien mit dem Gottesdienst zu erreichen, wird ein enormer technischer Aufwand betrieben.

Die Predigt Dr. Wilhelm Lebers wird mit Videokameras aufgenommen und anschließend per Satellit zuerst an ein Simultanübersetzungsbüro in Frankfurt und später an alle angegliederten Gemeinden übertragen.

In der Kreuzberghalle selbst sind beinahe alle Sitzplätze besetzt. Während die Vertreter der Politik, Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt und Philippsthals Bürgermeister Ralf Orth, noch schnell zu ihren Ehrenplätzen geleitet werden, proben 150 Sängerinnen und Sänger sowie 60 Orchestermitglieder bis zur letzten Minute ihre Musikbeiträge.

Dann plötzlich Aufregung: Die ersten Gemeindemitglieder haben den Stammapostel erspäht. Lächelnd betritt Dr. Wilhelm Leber, flankiert von Bezirksaposteln und Bischöfen, die Kreuzberghalle durch einen Seiteneingang. Das geistliche Oberhaupt zeigt sich dabei ganz aufgeschlossen-weltlich und erfüllt die ersten Autogrammwünsche.

In seiner Predigt, die er völlig ohne Manuskript, aber dafür im Vertrauen auf eine spontane Eingabe des Heiligen Geistes hält, wird er später vom „Lebensraum“ des christlichen Glaubens und dem Vertrauen zu Gott sprechen. Das ist zwar nichts radikal Neues, dafür aber präzise und eingängig.

Kleine Panne

Organisatorisch verläuft der Gottesdienst (fast) reibungslos. Eine kleine Lampe versagt auf der Bühne den Dienst und hüllt den Stammapostel kurzzeitig in Dunkelheit. Der feierlichen Stimmung tut das aber keinen Abbruch. Nach etwa zwei Stunden ist der Gottesdienst zu Ende. Stammapostel Dr. Wilhelm Leber verabschiedete sich mit dem Versprechen wiederzukommen, die Kreuzberghalle leert sich rasch – und Philippsthal kehrt zu gewohnter Ruhe zurück.

Von Emily Spanel

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