Bei der Hilfe von alten und kranken Menschen sind längst nicht nur Frauen im Einsatz

Die pflegenden Männer

Schlüsselschrank: Volker Reichhardt zeigt die90 Haustürschlüssel von Kunden der ambulanten Pflege, die im Haus Kreuzberg in Philippsthal in einem Sicherheitskasten hängen. Fotos: Reymond

Philippsthal. Die Pflegekräfte in Altenhilfe- und Senioreneinrichtungen sind auch heute noch meist weiblich. Doch die Zahl der pflegenden Männer wächst. So auch in der ambulanten Krankenpflege des Hauses Kreuzberg in Philippsthal. Dort sind von den acht examinierten Fachkräften bereits drei männlich.

Und sie verstehen, so wie der 28 Jahre alte Daniel Weigle, ihren Job weniger als Beruf, sondern mehr als Berufung. „Wir erledigen Dinge, die sonst kaum jemand machen möchte. Und die Bezahlung ist auch alles andere als fürstlich“, erklärt Weigle. Die körperliche Nähe zu alten und kranken Menschen sei nicht jedermanns Sache. Dennoch bezeichnet der 28-Jährige die Krankenpflege als seinen Beruf.

Erlebnisse prägten

Die ersten Erfahrungen mit der Pflege sammelte der aus Eckernförde bei Kiel stammende Krankenpfleger in der eigenen Familie. Diese Umstände, auf die er nicht näher eingehen mochte, hätten ihn fürs Leben geprägt. Und so ist aus seiner Hilfsbereitschaft anderen Menschen gegenüber ein Traumberuf geworden.

Seit September 2012 ist Weigle nun in Philippsthal tätig. Zunächst hatte ihn nur der Job nach Hessen gelockt, doch mittlerweile lebt er auch in einer glücklichen Partnerschaft.

Neben Weigle packt auch Volker Reichhardt mit an. Zwar ist er als Leiter der ambulanten Dienste am evangelischen Altenheim Haus Kreuzberg mittlerweile mehr Büromensch als Pflegekraft, doch vor der körperlichen Arbeit zum Wohle der Kunden scheut auch er sich nicht. Und das ist auch gut so, denn die Zahl der Hilfebedürftigen steigt mit Blick auf die demografische Entwicklung rapide an.

In einem Schlüsselkasten im Büro der ambulanten Pflege hängen bereits 90 Haustürschlüssel – jeder einzelne führt die Pflegekräfte in die Wohnung eines Bedürftigen. Statt Namen stehen Nummern auf den kleinen Plastikanhängern. Der zu jeder Nummer gehörende Name steht auf einem Zettel, der in einem anderen Schrank aufbewahrt wird.

„Sollte mal ein Schlüssel verloren werden, dann kann er nicht gleich zugeordnet werden. Wir wollen ja nicht, dass unsere Kunden einmal ungebetenen Besuch erhalten“, merkt Reichhardt an.

Das Arbeitsfeld der ambulanten Pflegekräfte hat sich in den vergangenen Jahren rapide verändert. So bieten die Kräfte des Hauses Kreuzberg seit acht Jahren auch parenterale Ernährung an. Das heißt, die Kunden werden unter Umgehung von Magen und Darm über einen Portkatheter im Brustbereich intravenös versorgt. Zurzeit betreut das ambulante Pflegeteam drei solche Kunden. „Das ist besonders zeit- und pflegeintensiv“, weiß Reichhardt zu berichten.

Die Uhr bleibt außen vor

Doch auf die Uhr schauen die Pflegekräfte eigentlich nie. So besuchte beispielsweise Susanne Christ nach ihrem Dienst noch die Frau eines kürzlich an Krebs verstorbenen Kunden. Geld bekommt sie für diesen Akt der Nächstenliebe nicht. Das verlangt sie aber auch nicht, denn die Pflege der Menschen ist mehr als ihr Beruf. Es ist ihre Berufung.

Von Mario Reymond

Kommentare