Interview: Philippsthals Bürgermeister hat noch viel vor – am kommenden Sonntag stellt er sich das zweite Mal zur Wahl

Orth freut sich über Vertrauensbeweis

Ralf Orth möchte auch in den kommenden sechs Jahren als Philippsthaler Bürgermeister kräftig zupacken – wie hier für das Foto an der Mühlstraße. Als einziger Kandidat bei der Wahl am kommenden Sonntag wünscht er sich eine hohe Wahlbeteiligung und die Bestätigung seines bisherigen Wirkens. Foto: Reymond

Philippsthal. In der Marktgemeinde Philippsthal sind die Bürger am kommenden Sonntag, 25. August, aufgerufen, einen Bürgermeister zu wählen. Einziger Kandidat ist der amtierende Rathauschef Ralf Orth (SPD). Wir haben mit ihm über die vergangenen sechs Jahre und die vor ihm liegende neue Amtsperiode gesprochen.

Ist es eigentlich nicht unbefriedigend, ohne Gegenkandidaten in den Wahlkampf ziehen zu müssen?

Orth: Grundsätzlich wäre die Wahl mit einem Gegenkandidaten interessanter. Es ist für mich jedoch ein großer Vertrauensbeweis, dass sich die drei Fraktionen von SPD, FWG und CDU dazu entschlossen haben, mich zu unterstützen. Das zeigt, dass etwas gewachsen ist. Ich bin trotz aller Unterstützung präsent und kämpfe um jede Stimme.

Sie haben ja auch plakatiert! Was wäre für Sie denn ein befriedigendes Wahlergebnis?

Orth: Ich wünsche mir eine hohe Wahlbeteiligung und einen großen Vertrauensbeweis. Auf Zahlen möchte ich mich aber nicht festlegen. Die Leute sollen zeigen, ob sie mit meiner bisherigen Arbeit zufrieden sind.

Sind Sie persönlich denn zufrieden mit Ihrer ersten Amtsperiode?

Orth: Ja. Gemeinsam mit den Philippsthaler Kommunalpolitikern, Vereinen, Verbänden, Kirchen, Schulen, Bürgerinnen und Bürgern haben wir schon viel für ein lebens- und liebenswertes Philippsthal erreicht und das in einem Klima der Zusammenarbeit. Wir bauen und gestalten in jedem Ortsteil unserer Marktgemeinde. Viele dringend notwendige Projekte sind bereits abgeschlossen, weitere sind im Bau oder in der Planung.

Wie wollen Sie Philippsthal künftig weiter vorantreiben?

Orth: Wir müssen weiterhin die Infrastruktur auf dem neuesten Stand halten. Das gilt für Kanal- und Wasserleitungen sowie für Straßen und Gehwege. Auch kommunale Gebäude wie Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrgerätehäuser müssen wir in Schuss halten. Zudem gilt es den Industrie-, Wirtschafts- und Wohnstandort gemeinsam mit allen politischen Mitstreitern, Vereinen, Verbänden und den Kirchengemeinden zu festigen und weiterzuentwickeln.

Philippsthal soll einfach lieben- und lebenswert bleiben, damit sich auch künftig alle hier wohlfühlen können.

Es wird von Ansiedlungen gemunkelt (Takko, Rossmann, Norma). Was ist da dran?

Orth: Natürlich gilt es, den Einzelhandel weiter zu fördern. Seit dem Verschwinden von Schlecker fehlt uns etwas. Es gibt grundsätzlich weitere Anfragen. Die müssen aber mit dem Regionalplan abgestimmt werden, da wir nur ein Grundzentrum sind. Stand heute ist da alles offen. Und in der Ortsmitte möchten wir natürlich den Edeka-Markt und die weiteren Geschäfte erhalten. Das ist unser Ziel und der Wunsch der Bürger.

Apropos Ortsmitte. Was ist denn mit dem Bergpark am Weidenhain. Sollte der nicht weiter aufgehübscht werden?

Orth: Wir sind aktuell mit der Schlossparksanierung beschäftigt. Derzeit ist der dritte Bauabschnitt der Schlossmauer in vollem Gange. Mit dem Bergpark haben wir uns bisher nicht weiter beschäftigt. Er steht zurzeit nicht auf der Agenda. Er könnte vielleicht einmal ein Projekt werden.

Müsste Philippsthal sich in Sachen Tourismus nicht ohnehin breiter aufstellen?

Orth: Wir könnten sicher in der Bewerbung Philippsthals noch mehr tun und beispielsweise die Wanderwege besser ausweisen. Wir haben aber auch schon viel getan. Das Schwimmbad ist saniert, die Radwege sind ausgebaut und beschildert worden. Weitere Ferienwohnungen sind auch entstanden.

Nun ein Blick über die Werrabrücke. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Stadt Vacha in Thüringen? Nachdem SPD-Bürgermeister Frank Pach dort im Frühjahr 2012 die Wahl verloren hatte, scheint das alles eingeschlafen zu sein. Wie ist Ihr Verhältnis zu Pach-Nachfolger Martin Müller (CDU)?

Orth: Wir sind weiterhin partnerschaftlich aktiv und die Zusammenarbeit verläuft gut. Mit Frank Pach war das eine sehr enge Verbindung, aber auch mit Martin Müller wird es langsam. Im kommenden Jahr feiern wir 25 Jahre Grenzöffnung gemeinsam und am 9. November gibt es wieder die Gedenkfeier auf der Brücke der Einheit. In Sachen Vandalismus kooperieren wir ebenfalls. Seitdem in Vacha und Philippsthal Sicherheitsdienste tätig sind und auch die polizeiliche Arbeit forciert wurde, haben wir wieder mehr Ruhe.

In Bewegung geraten ist dagegen der weltweite Kalimarkt, weil das russische Unternehmen Uralkali ankündigte den Kalipreis nach unten drücken zu wollen. Fürchten Sie Einbrüche bei der Gewerbesteuer?

Orth: Wenn man sich die gesamte Entwicklung mit wachem Auge ansieht, dann ist schon klar, dass wir weniger Gewerbesteuer erhalten werden. K+S hat seine eigenen Zahlen für das aktuelle Wirtschaftsjahr bereits nach unten korrigiert. Wir haben aber Vorkehrungen getroffen und Rücklagen gebildet, um das kurzfristig kompensieren zu können. Wir hoffen, dass sich die ganze Angelegenheit wieder beruhigt und K+S ein verlässlicher Partner für uns bleiben wird. Derzeit bin ich beunruhigt, verfalle jedoch nicht in Panik. Wir als Gemeinde können da ohnehin nicht tun.

Muss man sich nicht angesichts dieser Entwicklung schon heute Gedanken über eine Zeit nach K+S machen?

Orth: Ein verantwortungsbewusster Bürgermeister macht sich stets Gedanken über die zukünftige Entwicklung der Gemeinde. Deswegen ist es mir wichtig, weitere Unternehmen in Philippsthal neu anzusiedeln und die bereits ansässigen Firmen zu motivieren, möglichst weitere Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu schaffen – je nach wirtschaftlichen und betrieblichen Möglichkeiten. Die Vorstellung vom Werratal ohne den Kalibergbau wäre allerdings eine Situation, mit der man sich mindestens auf Kreisebene beschäftigen müsste, weil die Auswirkungen ja weit über die unmittelbar betroffenen Kommunen hinausgingen.

Vielleicht böten sich nach dem Ende des Abbaus von K+S die Hohlräume unter der Erde für ein Atommüll-Endlager an?

Orth: Das ist ein Feld, das derzeit vom Bund beackert wird. Wir im Werratal haben viele qualifizierte Arbeitskräfte und können sicherlich auch in Zukunft weitere schaffen. Mit Atommüll könnten wir wegbrechende Arbeitsplätze sicher nicht kompensieren. Und außerdem wird es mit mir keinen Atommüll im Werratal geben.

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