Maikundgebung der IGBCE mit Michael Roth

Niedriglohn führt zur Altersarmut

Mehr Gerechtigkeit: Nur starke Gewerkschaften könnten faire Tarifverträge mit den Arbeitgebern aushandeln, stellte SPD-Bundestagsabgeordneter Michael Roth bei der IGBCE-Maikundgebung in Schenklengsfeld fest. Foto: roda

Schenklengsfeld. Niedrig-löhne von heute seien die Altersarmut von morgen, prophezeite der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth bei der Maikundgebung des Ortsvereins der IG Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) in Schenklengsfeld.

Etwa sieben Millionen Beschäftigte in Deutschland arbeiteten unter einem Stundenlohn von acht Euro. Davon ließen sich später keine Rentenanwartschaften vergleichbar dem heutigen Niveau ansparen, rechnete Roth vor. Deshalb müsse ein auskömmlicher Mindestlohn für alle Berufsgruppen eingeführt werden. Dafür brauche es aber starke Gewerkschaften, die mit den Arbeitgebern auf Augenhöhe verhandeln könnten.

Negativbeispiel Amazon

Als Negativbeispiel führte er die aktuelle Lage beim Großversender Amazon an. Welche annehmbaren Tarifbedingungen eine mitgliederstarke Gewerkschaft aushandeln könne, zeige hingegen der Kalibergbau. Hier sei nahezu jeder Kumpel in der IGBCE.

Kritik an Leih- und Zeitarbeit

Heftig kritisierte der SPD-Abgeordnete auch den gegenwärtigen Trend zur Zeit- und Leiharbeit. Dieses System sei ehemals eingeführt worden, um saisonal bedingte Mehrarbeit auszugleichen. Heute werde es aber von den Arbeitgebern schamlos zur Dauerbeschäftigung missbraucht. Das betreffe inzwischen nahezu alle Berufsgruppen bis hin zum Akademiker. Man müsse sich deshalb nicht wundern, wenn Hochschulabsolventen eine Familiengründung immer weiter hinauszögerten. Eine Praktikantenstelle biete nun mal keine sichere Zukunft, äußerte Roth Verständnis.

Kein Verständnis hatte der Kundgebungsredner allerdings dafür, dass Frauen in vergleichbaren Arbeitsstellen bis zu 22 Prozent weniger Geld verdienten als Männer. Um diese und andere Gerechtigkeitslücken auszugleichen, gebe es also noch viel zu tun, schloss Roth den Vortrag. (ha)

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