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Nasser Boden bremst Mähdrescher

Am Steuer des Mähdreschers: Heinrich Berlet aus Wippershain. Fotos: Eisenberg

Wippershain. Für den atemberaubenden Panoramablick in die Rhön und ins hessische Kegelspiel, der sich von den Feldern oberhalb von Wippershain bietet, hat Heinrich Berlet keine Augen. Der konzentrierte Blick des 70-Jährigen ist auf das 3,60 Meter breite Schneidwerk seines Claas-Mähdreschers gerichtet.

„Eigentlich bin ich ja nur noch Altenteiler“, erzählt er. Aber während der Ernte wird in der Landwirtschaft jede Hand gebraucht. Den Vollerwerbsbetrieb mit 100 Hektar Grün- und Ackerland und rund 400 Mastbullen bewirtschaftet Berlets Sohn Claus.

Die heißen Tage des Wochenendes nutzen die Landwirte, um die 20 Hektar Gerste einzubringen. Die Sonne strahlt an diesem Tag vom stahlblauen Himmel, ein leichter Lufthauch sorgt für ein wenig Abkühlung. Dennoch macht der feuchte Boden den Landwirten Probleme.

Davon zeugen tiefe Fahrspuren am unteren Ende des Feldes. Auf einem Nachbargrundstück habe sich der Mähdrescher am Vormittag mehrfach festgefahren, die Ernte dort sei deshalb vorerst verschoben, berichtet Heinrich Berlet. Immerhin ist die Familie in diesem Jahr bis jetzt von großen Hagelschäden verschont geblieben, die anderswo für Totalausfälle gesorgt haben. „Die meisten Landwirte schließen für diese Fälle eine Hagelversicherung ab. Es sind ja schon Werte, die auf den Feldern stehen“, erklärt Claus Berlet. Auf den Anbau des besonders anfälligen Rapses verzichtet der 32-Jährige seit diesem Jahr. Bis Roggen und Weizen gedroschen werden können, dauert es nach Einschätzung des Landwirtes noch zwischen zehn und 14 Tagen – je nach Wetterlage. „Unsere Böden sind typische Roggenböden“, erklärt der Landwirt. Pünktlich zur Getreideernte seien die Preise wieder gefallen. „Aber die werden ja ohnehin häufig nicht mehr auf dem Acker, sondern an der Börse gemacht“, so der Wippershainer. Was auf Berlets Feldern wächst, landet fast ausschließlich im Futtertrog der 400 Mastbullen, lediglich in guten Ertragsjahren verkauft der 32-Jährige die Ernteüberschüsse.

Für Wachstum arbeiten

In welche Richtung sich die Landwirtschaft entwickelt, darüber macht sich Vater Heinrich Berlet so seine Gedanken. „Zu meiner Berufsschulzeit hatten die meisten Betriebe 15 bis 20 Hektar Land, ein Klassenkamerad mit 45 Hektar war schon ein Großbetrieb“. In den vergangenen Jahren habe die Familie vor allem für das Wachstum des Betriebes arbeiten müssen, erzählt er, als sein Blick auf den neuen Bullenstall fällt.

Viel Zeit für solche Gedanken bleibt dem Rentner an diesem Tag allerdings nicht. Der Mähdrescher muss auf ein anderes Feld umgesetzt werden. Das Erntewetter muss genutzt werden. (jce)

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