Junge Musiker aus Georgien mit herrlichen Talentproben in der Schlosskirche

„In dir muss es glühen“

Junge Musiker aus Georgien gastierten in der Philippsthaler Schlosskirche: Sendi Vartanovi (Geige), Inal Jioev (Oboe), Nodar Mdivani und Giorgi Oikashvili (Klarinetten), Irma Gigani und Salome Jordania. Foto: nh

Philippsthal. Die stattliche barocke Schlosskirche in Philippsthal wird einen Stellenwert in ihrer Biografie behaupten: Sechs junge Musiker zwischen 16 und 18 Jahren aus der fernen Kaukasus-Republik Georgien durften am Freitagabend vor zwar kleinem, doch beifallsfreudigen Publikum einen frühen internationalen Konzerterfolg ihrer Laufbahn feiern.

Ihre Darbietungen brauchten sich hinter denen der Etablierten nicht zu verstecken. Aber auch innerhalb der Gruppe – drei Damen, drei Herren – spürte man eine gesunde Rivalität. Von den beiden Pianistinnen war Salome Jordania die spontanere und sensiblere – in Liszts Étude d’exécution transcendante Nr. 12 b-Moll und im Allegro con brio der Beethoven-Sonate C-Dur op. 2/3 –, Irma Gigani die sachlichere und sorgfältigere mit Chopin, einem Walzer und dem berühmten Fantaisie-Impromptu cis-Moll, Op. 66.

Feine Klangformung

Sendi Vartanovi (Violine) gefiel in Fritz Kreislers Rezitativ und Scherzo-Caprice, Op. 6, und in einem Albumblatt Richard Wagners mit erlesener Doppelgrifftechnik und feiner Klangformung, obwohl sie sicher lieber ein gefügigeres und geschmeidigeres Instrument in den Händen hätte.

Die bekanntesten Musikerinnen aus Georgien sind heute die Geigerin Lisa Batiashvili und die Pianistin Katia Buniatishvili, beide Mitte bis Ende 20, und beide der absoluten Weltspitze zugehörig. Gut möglich, dass hier in Philippsthal bereits künftige Konkurrentinnen ihre Zuhörer begeisterten. Denn wie sagt der Kirchenvater Augustinus? „In dir muss glühen, was du in anderen entzünden willst.“

Musikalisch noch nicht ganz so reif und programmatisch so mutig, gleichwohl mit substanzvollem Bläserton präsentierte sich die Herrenabteilung: der Oboist Inal Jioev mit dem 2. Satz des Mozartkonzerts C-Dur, KV 314, und die beiden Klarinettisten Nodar Mdivani und Giorgi Oikashvili mit Astor Piazzollas „Oblivion“ und Heinrich Joseh Baermanns Adagio aus Op. 23.

Kompliment an „Kammerton“

Aus ihrer Heimat brachten die sechs Musiker die beiden liedhaft-wohlklingenden Rahmenstücke von den Komponisten Tengiz Nozadze und Vazha Azarashvili mit.

Ein großes Kompliment gilt schließlich der Berliner Initiative „Kammerton“, die seit 2008 diese verdienstvolle Förderung junger Hochtalente mit viel Einsatz und Können betreibt.

Von Siegfried Weyh

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