Die 19-jährige Linda Bücking aus Schenklengsfeld hat in New York den Hurrikan erlebt

Am Morgen nach Sandy

Spuren der Verwüstung: Linda Bücking am Morgen nach dem Hurrikan auf der Straße vor ihrem Haus in einem Vorort von New York City. Außer entwurzelter Bäume ist ihre Nachbarschaft vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Foto: privat

New York/Schenklengsfeld. Nach dem großen Sturm herrscht Stille. Kein Lüftchen regt sich, als die 19-jährige Linda Bücking aus Schenklengsfeld am „Morgen nach Sandy“ aus dem Fenster blickt. Ihr bietet sich ein Bild der Verwüstung. Die uralten Bäume vor dem Haus ihrer Gastfamilie in einem stillen Vorort von New York sind dem Hurrikan zu Opfer gefallen.

Dabei sind Linda und ihre amerikanische Gastfamilie, bei der sie seit einigen Wochen als Au Pair -Mädchen arbeitet (wir berichteten), vergleichsweise glimpflich durch den Sturm gekommen. „Bei uns ist nichts passiert, auch der Strom funktioniert noch“, erzählt Linda.

Während „Sandy“ an der Ostküste wütet, ist Linda mit ihren Gasteltern und den Kindern im Haus. „Dort hatte ich schon ein sicheres Gefühl, aber bei jedem Krachen, das wir gehört haben, sind wir zum Fenster gelaufen und haben mit der Taschenlampe in die Dunkelheit geleuchtet“, berichtet Linda. Unterdessen läuft im Wohnzimmer der Fernseher. Die amerikanischen Nachrichtensender berichten live aus dem Auge des Sturms. Die Reporter stehen knietief im Wasser in den überfluteten Straßen und schreien gegen den Sturm ins Mikrophon.

Keine Spur von Normalität

Auch nach dem Sturm ist von Normalität keine Spur. Lindas Gasteltern, die beide in New York City arbeiten, sind immer noch zu Hause, weil sie gar nicht in die Stadt hineinkommen. Freunde der Familie sind zu Gast, weil bei ihnen daheim der Strom ausgefallen ist. In diesen schweren Stunden beweist sich die fast sprichwörtliche amerikanische Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft.

Die Kinder indes spielen schon wieder. Eigentlich wollten sie gestern Abend in der Nachbarschaft von Haus zu Haus ziehen, um am Halloweenabend mit gruseligen Kostümen um Süßigkeiten zu bitten. Doch der eigentlich Spuk ist schon vorbei. Unter den Folgen werden die USA noch lange leiden. Nicht nur Lindas Straße ist nach Sandy nicht mehr dieselbe.

Von Kai A. Struthoff

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