Priska Hinz diskutierte mit hessischen Landfrauen auf dem Geflügelhof Thomas

Ministerin auf Landausflug

Zu einem Gespräch mit den Landfrauen in Hessen kam Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (vorne, Zweite von links) nach Unterweisenborn. Dort besichtigte sie auch die Eiersortieranlage des Geflügelhofes Thomas. Fotos: Konopka

UNTERWEISENBORN. Der hessische Landfrauenverband will den Dialog mit der Politik. Auf Einladung der Landwirtinnen besuchte Agrarministerin Priska Hinz während ihrer Sommerreise übers Land den Geflügelhof Thomas in Unterweisenborn. Die Grüne Hinz kam in Rot gekleidet und hatte es nicht immer leicht bei den qualifizierten Fragen der bestens vorbereiteten Landfrauen. Oft musste sie achselzuckend auf EU-Vorschriften und Bundesgesetze verweisen.

Die vier Generationen auf dem Geflügelhof Thomas leben überwiegend von der Selbstvermarktung. Bäuerin Gaby Thomas und ihr Mann, der immer freitags auf dem Wochenmarkt in Bad Hersfeld möglichst viele Eier seiner 18 000 Hühner in Bodenhaltung verkaufen will, haben auch noch 200 Mastschweine im Stall.

Die Hühner und Schweine werden mit dem eigenen Getreide vom 85 Hektar großen Ackerland gefüttert. „Aufgrund des Käfighaltungsverbotes haben wir in den letzten Jahren eine Million Euro investiert und neue Hallen gebaut“, erklärt Tobias Thomas stolz.

Rund 30 hessische Landfrauen stellten ihrer Agrarministerin bohrende Fragen zu vielfältigen Themen. Über die gelegentlich sinnfreie oder nicht erfolgte sinnvolle Vergabe von Fördermitteln, über Verbraucherbildung und zu Regelungen der oft problematischen Hofnachfolge sowie der unbeliebten Abgrenzung von konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betrieben musste Priska Hinz sich einiges anhören.

Probleme mit dem Nachbarn

Fast verzweifelt erzählt Jungbäuerin Sandra Daube aus Oberlengsfeld ihr Problem: „Im Jahr 2007 habe ich Landwirtin gelernt und der Beruf macht mir viel Freude. Mit einem Immissionsgutachten musste und habe ich Auflagen vom Gericht erfüllt. Aber der Nachbar war damit nicht zufrieden. Ein neues Gutachten ist sehr teuer. Wenn das gemacht werden muss, stehe ich wohl vor der Aufgabe.“ Darauf war die Ministerin erstmal ratlos.

Die Bäuerinnen beklagten Einschnitte durch Vorschriften der EU, die für die Betriebe oft hart seien. Dabei seien die Bedingungen in Ost- und Nordhessen schon schwieriger als im Süden des Bundeslandes. „Die Politik muss kleinere und mittlere Betriebe im Auge behalten, damit diese ein vernünftiges Einkommen haben“, meinte Julia Bock.

Priska Hinz: „Es ist mir wichtig, bäuerliche Existenzen in Hessen zu sichern. Lebensmittel die hier produziert werden, sollen auch hier gekauft und verzehrt werden. Aber wir müssen auch hin zu einer Vermarktung über die Region hinaus.“ Das Land setze sich besonders für Direkt- und Regionalvermarkter ein, erklärte sie. Für Verbraucher sei es gut zu wissen, woher die Produkte kommen. „Wir wollen eine Vermarktungsstruktur in Hessen schaffen, dass Produkte zu einem fairen Preis verkauft werden.“ Dazu müsse der Groß- und Einzelhandel mit an den Tisch.

Von Ludger Konopka

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