Prozessauftakt wegen versuchten Totschlags – Unterbringung in Psychiatrie droht

Messerattacke auf Nachbarn

FULDA/PHILIPPSTHAL In sich gekehrt, still und zusammengekauert verfolgt der 42-Jährige im Landgericht Fulda den Vortrag der Staatsanwältin. Die Anklage wirft dem Mann aus Philippsthal vor, er habe versucht, einen Nachbarn zu erstechen.

Für den Beschuldigten geht es in dem Sicherungsverfahren vor der Schwurgerichtskammer um seine Freiheit. Ihm droht keine Haft, sondern eine zeitlich nicht begrenzte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Staatsanwältin Christina Dern erklärte, die Anklagebehörde gehe davon aus, dass der Beschuldigte schuldunfähig ist. Er leide unter einer chronischen paranoiden Schizophrenie, die mit unkontrollierten Gewaltausbrüchen verbunden ist. Der Mann ist seit der ihm vorgeworfenen Tat nach einem Beschluss des Amtsgerichts Bad Hersfeld in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik in Gießen untergebracht.

Vater eilte zur Hilfe

Nach der Antragsschrift der Staatsanwältin ist der Beschuldigte an einem Samstagmittag im August vergangenen Jahres in Philippsthal-Röhrigshof auf seinen Nachbarn losgegangen. Der Beschuldigte habe den Mann vom Fahrrad geholt, habe ihn geschlagen und ihm gegen die Rippen getreten. Danach habe er mit einem Klappmesser sieben- oder achtmal auf den Brustkorb des Opfers eingestochen. Auch der Oberarm sei durch Messerstiche verletzt worden. Schließlich sei es dem Verletzten gelungen, dem Beschuldigten das Messer zu entwenden. Auch der Vater des Opfers sei diesem zur Hilfe geeilt. Erst dann ließ der Täter von seinem Opfer ab.

Zur Begründung seiner Tat hatte der Beschuldigte bei der Polizei erklärt, der Nachbar habe ihn gehänselt, beleidigt und ihn als Mörder bezeichnet.

Der Beschuldigte wird sich vor der Ersten Großen Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Josef Richter zunächst nicht zu den Tatvorwürfen äußern. Das erklärte sein Verteidiger Jochen Kreissl beim Auftakt des Prozesses.

Über die Frage, wie gefährlich der Täter für die Allgemeinheit ist, und zu einer Gefährlichkeitsprognose werden sich im Laufe des Verfahrens zwei Gutachter äußern, darunter der Oberarzt, der den Beschuldigten derzeit behandelt. Das Verfahren wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

Von Volker Nies

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