Henning und Sven Jolivet aus Texas verbringen ihre Sommerferien in Philippsthal

Mehr Freiheit trotz Regens

Der 14-jährige Henning Jolivet und sein siebenjähriger Bruder Sven verbringen ihre Sommerferien regelmäßig bei ihren Großeltern in Philippsthal. Foto: Eisenberg

Philippsthal. In ihrer Heimat Huston (Texas) herrschen Temperaturen von 35 Grad Celsius. Die Hitze im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika haben der 14-jährige Henning Jolivet und sein siebenjähriger Bruder Sven in den vergangenen Wochen mit Regen und kühlen Temperaturen getauscht.

Urlaub in Deutschland machen die Brüder nicht das erste Mal – im Gegenteil: Seit dem Jahr 2001 kommt der heute 14-Jährige Henning regelmäßig ohne seine Eltern und verbringt seine Ferien bei seinen Großeltern Hans und Anni Pforr in Philippsthal. In den ersten Jahren allein, jetzt gemeinsam mit seinem Bruder Sven. In ihrer Heimat leben die Brüder in einer reinen Wohnsiedlung im Speckgürtel von Huston.

Nicht langweilig

Ist Urlaub im ländlichen Deutschland, wo ihre Mutter aufgewachsen ist, nicht langweilig? „Nein, ich habe ja meinen Laptop“, sagt der 14-jährige Henning grinsend.

Die Unterschiede zwischen beiden Ländern seien aber dennoch riesig. „In Deutschland ist alles viel freier“, erzählt der 14-Jährige. Mal eben mit dem Fahrrad zum Sportplatz fahren, das sei in seiner Heimat nicht möglich. Die Wohnviertel, in denen sich die Einfamilienhäuser aneinander reihen, sind durch Autobahnen zerschnitten. Das Fortbewegungsmittel der Amerikaner sei ohnehin das Auto. In zwei Jahren darf auch Henning den Führerschein machen. Der sei, so erzählt er, in den USA wesentlich günstiger als in Deutschland.

Was aber nicht bedeutet, dass die Brüder aus den USA bewegungsscheu sind. Beide spielen begeistert Fußball, in ihrer Heimat sowohl im Verein als auch im Team der Schule. Ohnehin habe Sport in der Schule einen hohen Stellenwert, ebenso wie musikalische Angebote. „In der Schule ist alles viel strenger“, erzählt Henning Jolivet, der während seiner Besuche in Philippsthal und Obersuhl in die Schule gegangen ist.

Dass ihre Enkel Kontakt zu gleichaltrigen Jugendlichen haben, war den Großeltern immer wichtig. Beide besuchen nicht nur die Schule, sondern haben auch Kontakt zu Philippsthaler Vereinen. Henning trainiert begeistert im örtlichen Fitnessclub.

„Ab zwölf Jahren sind die meisten in Amerika Stubenhocker“, benennt Henning Jolivet die Unterschiede zwischen deutschen und texanischen Jugendlichen.

So gut es dem 14-Jährigen in Philippsthal gefällt, seine Zukunft sieht er in den USA. „Man hat dort mehr Möglichkeiten“, erzählt Henning, der später einmal Ingenieur werden möchte.

Sein kleiner Bruder Sven ist sich da noch nicht sicher, für seine Entscheidung bleibt ihm aber noch etwas Zeit. Bei seinen Besuchen freut der Siebenjährige sich auf das Philippsthaler Schwimmbad, auch wenn er in diesem Jahr lange auf schönes Wetter warten musste.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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