Vortrag informierte über die Lebensweise des Luchses

Auf leisen Pfoten

Dr. Marco Heurich informierte über den Luchs, der auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg wieder gesichtet wird. Foto: Milbrandt

Motzfeld. Vor wenigen Wochen ist er auch im Kreisgebiet wieder gesichtet worden, der Luchs. Nachdem er ab 1833 in Hessen vollständig ausgerottet war, ist er in den Seulingswald zurückgekehrt. Ab 2000 wurde der Luchs im Harz wieder ausgesetzt und hat nun über den Kaufunger Wald auch unsere Region erreicht.

In einem eindrucksvollen Vortrag berichtete der Luchsexperte und Wildbiologe Dr. Marco Heurich 70 Interessenten im Motzfelder Bürgersaal von der Lebensweise der faszinierenden hochbeinigen Großkatzenart mit den Pinselohren. Heurich ist stellvertretender Leiter der Forschungsabteilung des Nationalparks Bayerischer Wald und arbeitet seit vielen Jahren intensiv an der Erforschung des Luchs-Verhaltens mit Hilfe modernster Ortungstechnik und Fotofallen.

100 Luchse in Deutschland

Heurich geht von derzeit etwa hundert freilebenden adulten Tieren in Deutschland aus, 18 davon leben im Bayerischen Wald und dem angrenzenden Nationalpark Sumava in Tschechien. Zur langfristigen Arterhaltung wären seiner Meinung nach 500 bis 1000 Tiere und die stärkere Vernetzung der heutigen Verbreitungsgebiete nötig. Luchse sind Einzelgänger, die Weibchen leben in Gebieten von 100 bis 150 Quadratkilometern, die Reviere der Männchen (Kuder) können bis zu 400 Quadratkilometer betragen, sie grenzen an die Gebiete mehrerer Weibchen an. Jungtiere kommen von Mai bis Juni zur Welt, noch vor Ablauf einer Jahresfrist müssen diese bereits alleine zurechtkommen.

Die Jungtier-Sterblichkeitsrate ist mit 50 Prozent im ersten Jahr und 30 im zweiten hoch. Im Nationalpark beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung ausgewachsener Tiere acht bis elf Jahre, außerhalb nur vier.

Dass der Luchs ein reiner Fleischfresser ist und seine wichtigste Nahrung Rehe sind, gelegentlich auch schwache Rotwild-Kälber, hat ihm lange Zeit keine Freunde gemacht. In freier Natur einem Luchs zu begegnen, ist äußerst selten. Er geht dem Menschen aus dem Weg, und ist auch nicht gefährlich. In Beutenähe jedoch und zum Schutz der Jungen sieht der Luchs einen Hund als Konkurrenz oder Gefahr. Hunde sollten deshalb im Wald an der Leine geführt werden.

Luchsbeauftragter für den Kreis Hersfeld-Rotenburg ist Kurt Tiede. Er ist für Sichtungsmeldungen unter Telefon 06621/70151 zu erreichen. Weitere Informationen zum Luchs, den Verbreitungsgebieten sowie bisher registrierte Sichtungen finden sich im Internt unter www.luchs-in-hessen.de

Von Jörg Milbrandt

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