Wochenendporträt: Marlies Knoth leitete 35 Jahre die Heringer Schultheatergruppe

Ein Leben für die Bühne

Nachdenklicher Blick: Zusammen mit ihren Theaterschülern erarbeitete Marlies Knoth gemeinsame Texte, erfand Rollen und erstellte das Bühnenbild. Foto: privat

Heringen. 35 Jahre lang hat Marlies Knoth die Theatergruppe der Werratalschule in Heringen (WTS) geprägt. Und zwar von der Gründung im Jahre 1976 bis zum Jahre 2011, als die Lehrerin in die passive Phase der Altersteilzeit wechselte.

„Ein solches Engagement verbraucht viel Energie, gibt aber auch jede Menge Energie zurück“, erzählt die 65-Jährige. Für ihren Einsatz um die Schultheatergruppe wurde sie jetzt mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Bouffier zeichnete sie aus

Überreicht bekam sie die Auszeichnung von Ministerpräsident Volker Bouffier in der Stadthalle von Homberg/Efze. Mit ihrem Engagement habe sie dafür gesorgt, „dass die Theater AG Maßstäbe gesetzt hat“, führte Bouffier in der Laudatio auf Marlies Knoth aus.

Bereits während der eigenen Schulzeit in Bad Ems spielte Marlies Knoth in einer Schultheatergruppe mit. Inspiriert wurde sie seinerzeit durch den späteren Dramatiker und Schriftsteller Botho Strauß, ebenfalls Schüler des Goethe-Gymnasiums, der in seinen Rollen die Jüngeren faszinierte.

Nach dem Lehramtsstudium in Gießen verschlug es Marlies Knoth nach Heringen. Und ihr erstes Bühnestück hieß „Krach im Oberstübchen“ und wurde bezeichnenderweise im Obergeschoss des heutigen Rathauses aufgeführt. Wurde in den ersten Jahren noch auf klassische Stücke gesetzt, wagte sich Marlies Knoth mit ihren Schülerinnen und Schülern im Laufe der Jahrzehnte an moderne Stücke heran und setzte auch auf Eigenproduktionen. Anfangs wurden die Aufführungen nur bei Schulfeiern, darauf aber mit großem Erfolg einem breiten öffentlichen Publikum dargeboten.

Eine Reise nach Neapel

Neben der Teilnahme an überregionalen Wettbewerben sowie den Hessischen Schultheatertagen waren die Aufenthalte in Paris und die damit verbundenen Aufführungen in der Deutschen Schule Höhepunkte der AG. Eine Einladung des Gastschülers Claudio Mirone führte die AG nach Neapel, wo die Heringer ein umfangreiches Programm und eine umwerfende Gastfreundschaft geboten bekamen. „Wir bedankten uns mit Tanz- und Gesangsdarbietungen, weil unser Theaterspiel auf Deutsch an der dortigen Schule wohl kaum jemand verstanden hätte“, erinnert sich Marlies Knoth.

Mit ihren Schülerinnen und Schülern erarbeitete sie gemeinsame Texte, erfand Rollen und erstellte das Bühnenbild. Musik, Tanz und Gesang, teils auch mit anderen AGs der Werratalschule, wurden integriert und einstudiert. Unter ihrer Leitung entstanden insgesamt 35 Produktionen und eine Vielzahl kleinere Projekte. „Doch ohne die vielen fleißigen Helfer wäre das alles nicht gelungen“, merkt Marlies Knoth an. Dabei zählt sie viele Freunde und Eltern der ehemaligen Schauspieler auf, die zum Gelingen beitrugen. Aber auch ihr 2000 verstorbener Kunst-Kollege Dieter Himmelmann zeichnete sich immer wieder bei der Gestaltung des Bühnenbildes aus.

Für den Transport der Aufbauten zu anderen Schul-Spielstätten in Philippsthal und Obersuhl zeichnete neben anderen Marlies Knoths Ehemann Günther verantwortlich, der ebenfalls an der Heringer Werratalschule als Lehrer arbeitete. Und natürlich spielte auch die heute 42 Jahre alte Tochter Tanja einige Jahre in der Theater AG der WTS mit.

Von Mario Reymond

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