Autorenlesung über die alltäglichen Erfahrungen eines Mannes mit Down-Syndrom

Leben mit dem Anderssein

Beifall vom Publikum: Sein Gefühl für Takt und Musik bewies Jonas Zachmann (links) während der Autorenlesung in Schenklengsfeld mit einer spontanen Tanzeinlage. Zur Veranstaltung hatte der Landfrauenverein „Landecker Amt“ eingeladen. Foto: roda

Schenklengsfeld. An die 100 Besucher verfolgten am Sonntagvormittag im Schenklengsfelder Tafelhaus Steinhauer die vom Landfrauenverein „Landecker Amt“ organisierte Autorenlesung des Buches „Ich mit ohne Mama“ von Jonas und Doro Zachmann.

Jonas ist inzwischen 20 Jahre alt und wurde mit Down-Syndrom sowie einem schweren Herzfehler geboren. Er wuchs in der Familie mit Vater Wolfgang, Mutter Doro sowie den drei älteren Schwestern Katharina, Eliane und Maren in der Nähe von Karlsruhe auf. Die besonderen Herausforderungen der Betreuung und Erziehung ihres Sohnes veranlassten die Diplom-Sozialpädagogin Doro Zachmann schon sehr früh, ihre Erfahrungen damit aufzuschreiben.

Klopapier per Handy ordern

Aus dieser Notizensammlung entstanden schließlich drei Bücher, wobei Jonas Zachmann im vorgestellten Titel als Co-Autor seine eigenen Sichtweisen mit einbrachte. Dieses Zusammenspiel funktionierte auch bei der Lesung. Während Doro einen Textabschnitt vortrug, ergänzte Jonas mit klarer Stimme seinen Part. Trotz der gesundheitlichen Erschwernisse, sind es doch eher die heiteren Momente, die dem Buch einen roten Faden geben. Daher ist die erste Selbstrasur des sprießenden Bartwuchses mit gleichzeitiger Entfernung der Augenbrauenhaare wohl ebenso der konsequent einfachen Denkweise eines Menschen mit Down-Syndrom zuzuschreiben, wie auch die Anforderung fehlenden Klopapiers über das Handy.

Jonas Zachmann ist sich seines Andersseins durch den Geburtsfehler zwar bewusst, empfindet es aber nicht als Leiden. Vielmehr liebt er sein Leben wie es ist und bekennt dies auch mehrfach vor dem Publikum. Er kann Fahrradfahren, treibt Sport und hat sogar Erfahrungen im Verliebtsein.

Weitgehend selbständig geworden, lebt er mittlerweile in einer Wohngemeinschaft in einem Nachbarort. Meistens guter Laune, stimmt es ihn allerdings traurig, dass die Menschen ihn oft nicht so annehmen können, wie er sich selbst fühlt. Für Jonas Zachmann ist es daher Glück, in diese Familie hineingeboren worden zu sein. Sie gibt ihm einen Rahmen, den andere in ähnlicher Situation nicht haben.

Das Buch, aus dem Mutter und Sohn Zachmann am Sonntag in Schenklengsfeld vorlasen, gewährt neben seinen unterhaltsamen Passagen auch eine ganz eigene Betrachtung auf Menschen mit Down-Syndrom. Das Buch zeigt auch, dass für viele Betroffene ein relativ eigenständiges Leben möglich sein kann. (ha)

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