Die 72-jährige Irmtraud Mähler arbeitet seit 42 Jahren in der Discothek Red Apple

Zu laut war’s ihr fast nie

Seit 42 Jahren dabei: Seit der Eröffnung im Jahr 1970 arbeitet Irmtraud Mähler an der Theke der Discothek Red Apple in Ausbach. Die 72-Jährige ist die wohl dienstälteste Disco-Bedienung im Landkreis. Foto: Eisenberg

Ausbach. Irmtraud Mähler hat die Blütezeit der Beatmusik hautnah miterlebt, die Disco-Welle und auch den Boom von Techno, Hip-Hopp und House. Seit 42 Jahren arbeitet die heute 72-Jährige an der Theke der Ausbacher Discothek Red Apple. Seit dem ersten Öffnungstag im Mai 1970 gehört Irmtraud Mähler, die von ihren Kollegen nur Irmi genannt wird, zum Team.

„Das hat sich so ergeben“, erzählt die 72-Jährige. Schon als Seniorchef Heinrich Asbach nach Berlin fuhr, um eine Disco zu besichtigen, war Irmtraud Mähler mit dabei. Kurz darauf öffnete der Wirt des Ausbacher Gasthofs im Tanzsaal die Discothek Red Apple. In der osthessischen Provinz damals ein echtes Novum.

Von Anfang an dabei

Neben Haushalt und Familie arbeitete Irmtraud Mähler an der Disco-Theke, in den ersten Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Siegfried. Irmtraud Mähler ist dabeigeblieben und hat miterlebt, wie der einstige Kuppelsaal über die Jahre zu einer Discothek umgebaut wurde. Gerne erinnert sie sich an die Auftritte von Boney M oder Jeniffer Rush in den 70er und 80er Jahren. Über die Jahre seien die Gäste friedlicher geworden, erzählt Irmtraud Mähler.

Störenfriede habe man früher auch schonmal durch einen Schlag mit dem Tablett zur Ruhe rufen müssen. „Früher wurde hauptsächlich Bier getrunken, und ab und zu mal ein Schnaps“, erzählt die 72-Jährige. Heute stünden Mixgetränke hoch im Kurs. „Und alles ist später geworden“, sagt Irmtraud Mähler. „Anfangs ging es um halb acht los. Heute stehen die Schlangen an der Kasse erst um halb elf, und wenn Schluss ist, wollen die Leute nicht heim.“

Dreimal pro Woche war früher geöffnet, auch den ganzen Sommer hindurch. Heute macht die Disco Sommerpause, wenn in der Umgebung Zeltkirmes ist. In der übrigen Zeit ist samstags offen. Jede Woche steht Irmtraud Mähler dann hinter der Haupttheke. Ob sie die Arbeit bei lauter Musik nie gestört habe? „Doch, manchmal schon“, gibt die 72-Jährige zu. „Aber wenn es zu laut wurde, haben wir beim DJ angerufen und es wurde leiser gemacht.“ Ihr eigener Musikgeschmack sei bunt gemischt, auch moderne Stücke gehören dazu. Wenn großer Andrang herrscht, die Gäste ihre Getränke wollen und Wechselgeld herausgegeben werden muss, habe sie ohnehin keine Zeit, auf die Musik zu achten. „Wenn mich jemand fragt, weiß ich nicht mehr, was gespielt wurde. Höchstens die letzten Lieder“, erzählt Irmtraud Mähler.

„Eigentlich wollte ich schon längst aufhören“, berichtet die 72-Jährige. Aber die Arbeit mit den jungen Leuten mache noch Spaß, sie verstehe sich gut mit der Betreiberfamilie Asbach und den übrigen Angestellten. Solange sie gesund bleibe, sagt Irmtraud Mähler, werde sie deshalb wohl noch ein paar Jahre weitermachen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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