Die Vorfahren des berühmten Malers Paul Klee stammen aus dem Landecker Amt

Dem Künstler auf der Spur

Ein Werk Paul Klees: „Labyrinthischer Park“ aus dem Jahre 1939. Fotos: nh

Schenklengsfeld. Manchmal hat man Glück und kann Geheimnisse unserer Region entschlüsseln – so dachte ich, als wir eine Mitteilung von Werner Henkel aus Friedewald zugeschickt bekamen. Henkel ist uns bekannt als Leiter der Volkstanzgruppe Schenklengsfeld; aber diesmal ging es um etwas ganz anderes.

Er hatte einen Ausflug nach Tann in der Rhön gemacht, um dort das Naturkundemuseum zu besichtigen, als ihm unvermutet an einer der Wände das Wort „Wüstfeld“ ins Auge fiel. Neugierig geworden, erfasste er schnell den Zusammenhang: Dort war der Stammbaum des Malers Paul Klee aufgezeichnet, und jener begann mit Wüstfeld im 18. Jahrhundert.

Paul Klees direkte Vorfahren in Tann? Und dann auch noch in Wüstfeld? Natürlich fällt einem jetzt dazu ein, dass noch ganz viele Familien Klee in unserem Landecker Amt wohnen, viele kennt man auch persönlich, wie etwa Inge und Heinrich Klee, die Vorsitzenden des Gesangvereins; aber auf eine Verbindung zu dem großen Künstler Paul Klee wären wir nicht gekommen – Kunstmaler in München und Bern, Freund von Franz Marc, August Macke und Wassily Kandinsky, Anschluss an den „Blauen Reiter“ 1911, Lehrer am berühmten Bauhaus in Dessau, Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie, und, und…

Und im Nationalsozialismus Verfemter wegen seiner angeblich „entarteten Kunst“, sodass er in die Schweiz zog. Einige seiner Bilder sind ganz aktuell in dem unglaublichen Münchener Kunst-Skandal um Cornelius Gurlitt aufgetaucht, der jetzt die Gazetten füllt. Auch die Hersfelder Zeitung berichtete am 6. November ausführlich.

In diesem Zusammenhang geht es jedoch nicht um Klees Leben und Werk. Es geht um seine direkten männlichen Vorfahren im Landecker Amt.

Und in der Tat, man wird fündig in den Kirchenbüchern des Kirchenarchivs Schenklengsfeld (siehe Hintergrund). Daran erkannt man, dass die Vorfahren Paul Klees im ganzen Landecker Amt zu finden sind, auch in Landershausen, Oberlengsfeld, Motzfeld, Hilmes... Viele haben durch Einheirat ihr Zuhause gefunden und haben dort ihre Familien gegründet, die bis heute noch existieren. Und sie alle waren als Bauern tätig.

Erst mit Johann Peter Klee, der in Tann einheiratete, wechselten die Berufe in den musischen Bereich: Der Maler Paul Klee selbst hat hervorragend Geige gespielt und war äußerst sprachbegabt, seine Mutter Sängerin, sein Vater Hans Wilhelm Musiklehrer.

So mag es für den einen oder anderen von uns vielleicht übertrieben sein, wenn wir von jetzt an ein bisschen stolz auf die Tatsache sind, dass die Vorfahren des Malers Paul Klee aus dem Landecker Amt kommen. Der Aufenthalt in Tann jedenfalls war nur vorübergehend, die Wurzeln der Klees liegen vielmehr in den bäuerlichen Familien rund um Schenklengsfeld. Und diese können nun einmal versuchen, eine Verbindung zu ihrem prominenten „Verwandten“ herzustellen.

Von Liesel Honikel

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