Finanzpolitiker Oswald Metzger spricht über Wege aus der Finanzkrise

Keine Vollkaskogesellschaft

Sieht die Genossenschaftsbank als Zukunftsmodell: Oswald Metzger (mitte) mit den Raiffeisen-Vorständen Matthias Seim (rechts) und Jürgen Schlesier. . Foto: Eisenberg

Heringen. Den Euro als Währung werde es noch länger geben, als viele glauben. da ist sich Oswald Metzger sicher – allerdings nicht mit allen heutigen 17 Mitgliedstaaten.

Unter dem Titel „Mut zur Wahrheit – Wege aus der Krise“ sprach der CDU-Finanzpolitiker und Publizist aus Schwaben gestern Abend als Gastredner auf der Generalversammlung der Raiffeisenbank Werratal-Landeck in Philippsthal.

„Aus meiner Sicht wäre es gut gewesen, man hätte sich von Griechenland vor zweieinhalb Jahren verabschiedet“, sagt Metzger am Nachmittag im Gespräch mit unserer Zeitung. Das hätte dem Rest der Gemeinschaft viel Geld erspart und es den Regierungen in Italien, Spanien und Portugal erleichtert, der eigenen Bevölkerung Reformen zu vermitteln, erklärt er. Den Versuch einer Euro-Rettung durch ein weiteres Entgegekommen an Griechenland bezeichnet der CDU-Politiker als den „kapitalen Fehler, den die Bundesregierung machen kann“. Mit seiner Forderung nach Austritt Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft wolle er allerdings nicht die Mitgliedschaft des Landes in der Europäischen Union und den europäischen Freihandel in Frage stellen, betont Metzger.

„Haftung und Verantwortung gehören zusammen“, sagt der Schwabe. Deshalb müsse gelten, was bis heute in den Verträgen zur europäischen Währungsunion stehe: „Ein Staat haftet für seine Verbindlichkeiten selbst“. Für kleine Handwerksunternehmen sei das selbstverständlich. Eine Vollkaskogesellschaft, unterstreicht Metzger, könne es nicht geben.

Ein Patentrezept für den Weg aus der Krise habe er nicht, sagt Metzger. „Alternativlos ist die heutige Politik aber auch nicht“, sagt Metzger in Richtung der Bundeskanzlerin.

Das Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken sei zukunftsfähig, weil Risiken und Folgen abschätzbar seien. Mit soliden Geschäften werde dort für die Anteilseigner 5,5 Prozent Dividende erzielt.

Trotz aller Kritik, auch aus der eigenen Partei – der Wechsel zur CDU werde sein letzter sein sagt Metzger, der zuvor Mitglied der Grünen und der SPD gewesen war.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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