Studie sieht Vorteile durch Eindampfung von Kali-Lauge – K+S kritisiert hohen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß

Keine Lösung für Salzabwässer in Sicht

Umstrittene Leitung am K+S-Werk Werra bei Philippsthal: In einem Eilverfahren hat das Verwaltungsgericht Kassel die Einleitung von Abwässern aus Neuhof-Ellers über dieses Rohr in die Werra vorläufig verboten. Foto: Zucchi/dpa

Hersfeld-Rotenburg / Kassel. Eine Leitung erregt die Gemüter: Seit Sommer 2012 baut der Kali-Konzern K+S eine Pipeline für Salzabwässer von Neuhof-Ellers nach Philippsthal. Kommunen entlang von Werra und Weser wehren sich gegen die 63 Kilometer lange und 50 Millionen Euro teure Leitung, weil sie fürchten, dass die Entsorgung über die Flüsse damit langfristig bestehen bleibt.

Stellvertretend für die Anrainer klagen die Stadt Witzenhausen sowie die Gemeinden Gerstungen und Herleshausen dagegen vor dem Verwaltungsgericht Kassel. Ein Gutachten von Prof. Dr. Peter Quicker, das er heute vorstellt, soll dabei die Position der Anrainer stärken. Es untersucht die Eindampfung als Alternative für die Abwässer-Entsorgung über die Flüsse.

Aus Sicht von Quicker ist die Eindampfung für Abwässer aus Neuhof-Ellers machbar „und selbst ohne Produktverwertung und bei Entsorgung der erzeugten Kristallisate zumutbar“. Bei Optimierung seiner eher konservativ angelegten Berechnungen hätte K+S womöglich einen höheren Ertrag als die in Aussicht gestellten 30 Millionen Euro im Jahr.

„Erhebliche Mängel“

Daran hat der Kasseler Kali-Produzent Zweifel. Neue Erkenntnisse biete das Gutachten nicht, stattdessen habe es „erhebliche Mängel“. Quicker stütze sich auf eine Konzeptstudie der Firma K-UTEC.

Die zahlreichen ungelösten Fragen in dieser Studie habe Quicker nun in seiner Arbeit übernommen, was zu falschen Schlussfolgerungen führe. Besonders Wirtschaftlichkeitsberechnungen seien überholt, weil sie auf nicht mehr aktuellen Produktpreisen von 2011 basierten.

Viel Energie nötig

Außer Acht habe Quicker gelassen, dass viel Energie nötig ist, um die Abwässer bei der Eindampfung in feste Stoffe umzuwandeln. Die Folge laut einem K+S-Papier: „Nicht akzeptable CO2-Emissionen, nicht vertretbare Kosten.“

Grund dafür sei das zu betreibende Kraftwerk, dessen Abwärme für die Eindampfung genutzt würde. Quickers Konzept würde die Umwelt jedes Jahr mit mehr als 100 000 Tonnen des Treibhaus-Gases Kohlendioxid (CO2) belasten. Umgerechnet entspreche das dem Ausstoß einer Stadt von 70 000 Einwohnern.

Das Fazit von K+S: „Wer die Studie trotz des gravierenden Mangels als wegweisend für die Entsorgung von Salzabwässern betrachtet, offenbart ein alles andere als nachhaltiges Umweltverständnis. Wer aus vorgetragener Sorge um ein Gewässer alle anderen Umweltfaktoren ausblendet, macht es sich zu einfach.“

Von Claas Michaelis

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