Karl Honikel befasst sich mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde von Schenklengsfeld

Toleranz darf keine Floskel sein

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Karl Honikel vor dem Judaica-Museum in Schenklengsfeld.

Schenklengsfeld. Toleranz heißt das Schlagwort, das es immer und überall zu beachten gilt. Für Karl Honikel (78) aus Schenklengsfeld ist dieses Wort keine Floskel. Er bemüht sich seit Jahrzehnten darum, anderen Menschen direkt und indirekt zu vermitteln, dass der tolerante Umgang insbesondere mit Minderheiten einen ganz hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft einnehmen sollte.

„Ein solches Problem kommt doch gerade mit den vielen Flüchtlingen auf uns zu. Die sind aus unserer Sicht total anders. Sie sehen anders aus, sprechen anders, kleiden sich anders und leben ganz anders, als wir es tun“, erklärt Karl Honikel.

Um mit diesen für uns fremden Menschen richtig umzugehen, dafür benötigten wir alle die Hilfe der Medien. Allerdings seien keine Floskeln und irgendwie vorurteilsbehaftete Nachrichten gefragt: „Die Medien müssen das Positive darstellen und natürlich alle negativen Dinge kritisieren“, führt der Schenklengsfelder weiter aus.

Nach seinem Umzug aus Hainzell im Landkreis Fulda nach Schenklengsfeld 1977, um näher an seinem Arbeitsort der Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld zu leben, befasste er sich nur wenige Jahre später mit einer anderen Minderheit, die es im Landecker Amt bis in das Jahr 1940 gegeben hat – mit der jüdischen Gemeinde Schenklengsfelds. „Ich habe mich damals gefragt, wo ich denn hier wohne.“

So lebten 1933 noch etwa 150 Juden in Schenklengsfeld. Nachdem die Nationalsozialisten eben in diesem Jahr 1933 die Macht in Deutschland übernommen hatten, wurden Toleranz und Menschenwürde mit Füßen getreten. Die Juden, auch die in Schenklengsfeld, wurden gezielt diskriminiert. Und mit den Novemberpogromen im Jahr 1938, als in der Nacht vom 9. auf den 10. November im ganzen Land die Synagogen brannten, wurden die Juden nunmehr systematisch verfolgt, deportiert und umgebracht – oder sie flüchteten vor den Nazi-Schergen ins Ausland. So sind 1940 die letzten beiden jüdischen Familien aus Schenklengsfeld weggezogen.

Karl Honikel hat es sich mit einigen Freunden zur Aufgabe gemacht, die jüdische Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. So wurde das ehemalige jüdische Lehrerwohnhaus in den 90er Jahren vor dem Abriss bewahrt und mit Hilfe vieler Unterstützer und Geldgeber für mehr als 700 000 D-Mark saniert.

„In der jüngeren Vergangenheit ist es bei uns ein wenig ruhiger geworden, aber es wäre schön, wenn das Interesse an diesem Museum wieder etwas größer würde. Insbesondere für den Schul- oder Konfirmandenunterricht bietet sich das Museum an“, sagt Honikel.

Neben ,seinem‘ Museum interessiert sich Honikel, der die Geschichte der jüdischen Gemeinde 1988 gemeinsam mit seinem 2000 verstorbenen Kollegen Dr. Waldemar Zillinger und dem ehemaligen Schenklengsfelder Pfarrer Dietmar Preiß bereits in einem 282 Seiten starken Buch festgehalten hat, für den jüdischen Friedhof am Ortsrand – mit seinen 119 Grabsteinen aus den Jahren 1870 bis 1938.

In Israel ist er bereits viermal gewesen, um dort auch immer wieder Menschen zu treffen, die früher einmal Schenklengsfeld ihre Heimat nannten. „Die waren nicht zornig auf Schenklengsfeld. Sie sind positiv mit ihrem Schicksal umgegangen. Viele haben später Schenklengsfeld noch einmal besucht. Einige, die ich nach Schenklengsfeld eingeladen hatte, sagten aber auch: ,Bringen Sie uns Bilder mit. Aber nach Deutschland kommen wir nicht mehr‘, wie die Brüder Eschwege, die ihre Eltern im KZ verloren hatten“, berichtet Karl Honikel. Wohl aber ein Nachfahre, der dabei ein toleranteres Deutschland kennengelernt haben dürfte.

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