Andreas Licht lebt seit 1989 in Paris – „Touristen werden die französische Metropole um Weihnachten meiden“

Terroranschläge in Paris: Es kann jeden treffen

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Der aus Verna (Schwalm-Eder-Kreis) stammende Andreas Licht lebt seit 1989 in Paris. Wir haben mit dem Fotografen über die Terroranschläge vom vergangenen Freitag gesprochen.

Schenklengsfeld. Nur 500 Meter entfernt von einem der Anschlagsorte hat Andreas Licht am späten Freitagabend mit Freunden in einer Pariser Pizzeria gesessen. Von den Terroranschlägen ringsherum hat der aus Verna stammende Fotograf zunächst nichts mitbekommen.

„Erst als mich meine Tochter ganz aufgeregt aus Leipzig angerufen und gefragt hat, ob es mir gut gehe, wussten wir von den tragischen Ereignissen“, sagt Licht gestern Mittag am Telefon. Der 53 Jahre alte gebürtige Schwälmer, dessen Vater in Schenklengsfeld-Landershausen aufgewachsen ist, lebt und arbeitet bereits seit 1989 in der französischen Metropole. Obwohl selbst Fotograf und auch mit einer Agentur in Wien in Kontakt stehend, hat er sich in der Nacht und am Tag darauf nicht auf den Weg gemacht, um die tragischen Momente mit dem Sucher einzufangen. „Das brauche ich nicht. Mit der Not anderer Menschen auch noch Geld zu verdienen, ist mein Ding nicht“, erklärt er.

Wohl auch, weil aus seinem näheren Umfeld zwei Menschen unter den Opfern der Anschläge gewesen sind. So starb eine Kickbox-Teamkollegin seiner Freundin im Kugelhagel. Und auch die Freundin einer seiner Fotostylistinnen war unter den Opfern. „Es hätte an diesem Freitagabend jeden treffen können, der in dem Ausgehviertel unterwegs gewesen ist. Ich war auch schon zu Konzerten im Bataclan. Das ist ein mittelgroßer Saal für 1500 Leute. Ich stehe halt nur nicht auf Heavy Metal.“

Dass es nach dem Überfall auf die Satirezeitung Charlie Hebdo vom 7. Januar weitere Anschläge in Paris geben würde, davon war auch Andreas Licht überzeugt. „Alle in meinem Bekanntenkreis haben damit gerechnet. In den vergangenen Wochen und Monaten sind in Paris immer mal wieder Leute hopsgenommen worden, die unter dem Verdacht standen, irgendwelche Attentate zu planen.“

Mittlerweile habe das Leben wieder Einzug in Paris gehalten. „Ich bin heute Morgen mit der U-Bahn ins Atelier gefahren. Und sie war voll. Nur am Samstag und Sonntag ging wenig. Ich wollte auf die Messe Paris-Foto, doch alles war zu. Auffällig sind halt die vielen bewaffneten Soldaten, die vor U-Bahn-Stationen und wichtigen Gebäuden stehen“, erklärt der gebürtige Schwälmer.

Allerdings könnte diese erhöhte Präsenz an Sicherheitskräften neuerliche Terroranschläge durch Selbstmord-Kommandos kaum verhindern. Obwohl gerade in Paris viele Menschen aus dem arabischen Raum lebten und durch die Ghettoisierung sicher auch ein spezieller Gefahrenherd existiere, seien derartige Anschläge auch in Frankfurt und Berlin möglich. Für sich persönlich schließt Andreas Licht daher auch rigoros aus, seiner Wahlheimat den Rücken zu kehren.

Negative Auswirkungen würde der Terror vom Freitag aus seiner Sicht auf das Weihnachtsgeschäft und den Tourismus haben. „Ich gehe davon aus, dass in den kommenden Wochen kaum Amerikaner nach Paris kommen werden.“

Auch wenn das Leben in der europäischen Metropole wieder pulsiert, befindet sich Le Grande Nation weiter im Schockzustand. „Das Parlament will am Mittwoch den Ausnahmezustand auf drei Monate ausdehnen. Dann sind beispielsweise Wohnungsdurchsuchungen ohne Beschluss der Staatsanwaltschaft möglich“, berichtet Andreas Licht. Das Leben geht weiter in Paris, aber der Terror von Freitagabend hat mehr als offensichtlich seine Spuren hinterlassen.

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