Fachleute informierten über naturkundliche Forschungen im Biosphärenreservat

Das Juwel Dreienberg

Aufbruch: Mehr als 200 Naturliebhaber trafen sich zum ersten Tag der Forschung an der Motzfelder Nabu-Scheune und auf dem Dreienberg. Foto: Milbrandt

Motzfeld. Der vor fast drei Jahrzehnten aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommene Dreienberg ist mit der Rückentwicklung der Kernzone zum Buchen-Urwald und den angrenzenden Kalkmagerrasen etwas besonderes. Wie besonders, darüber konnten sich naturkundlich Interessierte kürzlich informieren. In Zusammenarbeit mit der Biosphärenreservatverwaltung und dem Forstamt Bad Hersfeld hatte die Nabu- Ortsgruppe Dreienberg eine Rundwanderung durch den Wald und die angrenzenden Weideflächen am Südhang zusammengestellt.

Fachleute erklärten an elf Stationen Details zur hiesigen Flora und Fauna und gaben Einblicke in bisherige und zu erwartende Entwicklungen. So werden zum Beispiel an 117 Dauerbeobachtungsflächen von je 0,1 Hektar Größe in zehnjährigem Turnus Waldstrukturen der Kernzone Dreienberg wissenschaftlich untersucht und ausgewertet. „Dadurch ist es möglich, natürliche Walddynamik zu studieren und diese Erkenntnisse bei der Behandlung der Wirtschaftswälder einfließen zu lassen“, erklärte Ewald Sauer, zuständig bei der Biosphärenreservatverwaltung für die Pflege der Schutzgebiete.

Nachdem Thorsten Raab, Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle, die Veranstaltung an der Motzfelder Nabu-Scheune eröffnet hatte, machten sich zunächst ein Trupp von 80 Wissbegierigen auf den Weg, die Stationen zu erkunden. Sie erfuhren interessantes über heimische Moose und Flechten, Nachtfalter und Bienen, Wildkatzen und Waldvögel, Käfer und Schmetterlinge, lernten Kommunikationsformen unterschiedlicher Fledermäuse kennen und erhielten Einblick in die Segetal- und Waldfauna.

Den Rhönschafen konnte man bei der Beweidung der Kalkmagerrasen zusehen, durch die die Besiedlung des Südhangs mit seltenen Ackerwildkräutern und Orchideen erst wieder möglich geworden ist. Über eine besondere Begegnung konnte auch Revierförster Klaus Kraft berichten, dem erst vor wenigen Wochen außergewöhnliche Video-Aufnahmen eines wohl aus dem Harz stammenden freilebenden Luchses am benachbarten Birkig-Waldstück gelungen waren.

Über den Nachmittag verteilt fanden sich auf dem Rundweg und an der Nabu-Scheune über 200 Gäste ein.

Den Abschluss bildete eine von Nina Bütehorn, Leiterin des Bereichs Naturschutz beim Servicezentrum FENA, geleitete Diskussionsrunde. Für die Forschung im Biosphärenreservat stehen demnach nur 50 000 Euro zur Verfügung. Nur mit ehrenamtlichem Engagement und Leidenschaft für die einzelnen Disziplinen könne Forschung und Naturschutz kontinuierlich geleistet werden.

Umso wichtiger sei das gezielte Heranführen von Kindern und Jugendlichen an den Erhalt naturnaher Lebensräume mit deren Artenvielfalt. Die Nabu-Ortsgruppe organisiert pro Jahr mehrere Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Jugendpflege Kuppenrhön. Nicht zuletzt wegen des Engagements der Ortsgruppe ist für Fachmann Ewald Sauer der Dreienberg zum Juwel des Biosphärenreservats geworden.

Von Jörg Milbrandt

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