Auszubildende vom Obersberg erkunden ein neues Revier: Wildfleisch

Junge Köche auf der Jagd

Jetzt hat der Hahn wieder Ruh: Unser Foto zeigt das Verblasen der Strecke durch die Jagdgemeinschaft vor dem Motzfelder Dorfgemeinschaftshaus. Links im Vordergrund die Bläser, links im Hintergrund die Schüler der Klasse 12 Kö. Foto: Ercan Yöngül, Koch-Auszubildender/nh

Motzfeld. Aus der Küche in den Wald: Unbekannte Jagdgründe haben jetzt die Köche-Auszubildenden des dritten Lehrjahres der Beruflichen Schulen Obersberg erkundet. Außerhalb ihres Berufsschulunterrichts zogen sie mit ihrem Lehrerteam in den Motzfelder Forst.

Ihr Lehrer, Christian Bräuning, der selbst Jäger ist, wollte dort für die Azubis eine neue Verbindung zu heimischem Wildfleisch herstellen. Ziel war es, die zukünftigen Köche zu ermutigen, Wild für die Weiterverarbeitung direkt vom Jäger oder vom Forstamt zu beziehen, so die Region zu stärken und das Wildfleisch für den Verbraucher attraktiver zu machen. Gleichzeitig lernten die Azubis die Tiere und die Fleischqualität richtig zu beurteilen.

Immerhin fanden sich 20 zünftig gekleidete Schüler bei strahlend blauem Himmel im Motzfelder Forst ein. Rundherum waren Lagerfeuer entzündet. Nach dem Ertönen des Signals „Hahn in Ruh“ kamen die Jäger mit ihrem erlegten Wild aus allen Richtungen. Die Lehrlinge halfen beim Bergen und Versorgen der Tiere und legten sie nach alter Tradition auf die „Strecke“, diesmal vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Motzfeld.

Insgesamt 101 Schützen, 20 Treiber und 50 Hunde brachten auf einer Fläche von 600 Hektar 14 Stück Schwarzwild, davon einen kapitalen Keiler von 130 Kilogramm, 27 Rehe und vier Füchse zur Strecke. „Da überwiegend junges Rehwild und Frischlinge erlegt wurden, spricht man von einer gesunden Strecke, die eine Wildpopulation im guten Verhältnis gewährleistet“, erläutert Revierleiter Walter Mühlhausen, der gemeinsam mit Jagdpächter Elmar Schnelle die Jagd organisiert hat.

Heinz-Dieter Mathes, Revierleiter in Unterhaun, Jungjäger Marcel Begoin, und Dr.Dr. Hartmut Hanke als Veterinärmediziner, demonstrierten den sehr interessierten Köchen, wie Reh- und Schwarzwild aufgebrochen wird, ohne die Fleischqualität zu beschädigen. Die Köche interessierte dabei vor allem die Schnitt- und Grifftechnik.

Alexander Ludolph, Auszubildender im Landgasthof Hess, beschäftigte vor allem das für die Zubereitung wichtige Alter der erlegten Tiere. „Ein Tier bis zu zwei Jahren ist relativ arm an Bindegewebe und kann gut zum Kurzbraten verwendet werden,“ weiß Ludolph, „es weist dann den typischen Wildgeschmack auf“. Ältere Tiere dagegen müssten länger reifen und mariniert werden, um das Fleisch zarter und mürber zu bekommen.

Mit der alten Tradition des „Strecke Verblasens“ tauchten alle Anwesenden zum Abschluss des Tages im Wald in eine andere Zeit ab. Damals war Fleisch noch nicht zur Massenware degradiert, sondern jedes erlegte Tier wurde durch ein Jagdsignal geehrt. Mit einem letzten Jagdsignal wurde dann zum „Schüsseltreiben“ geblasen: Dem gemütlichen Beisammensein der Jagdgesellschaft in Motzfeld.

Ein Rezept für „Rehrücken aus Waldhessen“ finden Sie auf unsere Internetseite unter www.hersfelder-zeitung.de.

Von Birgit Gustke

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