Kein Bedarf mehr: Gefriergemeinschaft Mansbach nach 50 Jahren aufgelöst

Jetzt ist alles abgetaut

Mansbach. Nun ist es vorbei mit der großen, gemeinsamen Gefriertruhe: Weil mittlerweile nahezu jeder Haushalt in Mansbach und Soislieden über einen eigenen Gefrierschrank verfügt, werden die 50 Fächer und der Kühlraum des Gefrierhauses in Mansbach von den Bürgern nicht mehr gebraucht.

In den sechziger Jahren fehlte den Menschen Raum und Geld für eine eigene Gefriertruhe. Deswegen bildeten sich hauptsächlich im ländlichen Gebiet Gefriergemeinschaften.

Im Jahr 1964 wurde das Gebäude von den fünfzig Gründungsmitgliedern auf dem Grundstück des ehemaligen Mansbacher Backhauses in Eigenleistung errichtet. Die Kosten für Strom und Abtrag betrugen für jeden Besitzer eines Faches jährlich 40 Deutsche Mark. „Jedes Jahr zum Haus-Schlachtefest wurden größere Mengen Fleisch und Wurst in das Gefrierhaus eingelagert“, berichtet August Bredy, Gründungsmitglied und Schriftführer der Gefriergemeinschaft Mansbach, aus eigener Erfahrung.

„In der Erntezeit brachten die Hausfrauen auch Vorräte an Obst und Gemüse in das Gefrierhaus, sodass man über das ganze Jahr mit Vorräten versorgt war.“ In den Kühlraum wurde hauptsächlich von den Bauern geschlachtetes Großvieh für mehrere Tage gehängt.

Mit dem drastischen Rückgang der Hausschlachtungen in den neunziger Jahren waren auch die Gefrierfächer nicht mehr so gefragt. „Zuletzt wurden diese immer preisgünstiger und schließlich von den Mitgliedern verschenkt“, erklärt August Bredy weiter.

Zu dem allgemein nachlassenden Bedarf kam dazu, dass durch das Alter der Anlage die technische Einrichtung immer reparaturanfälliger wurde.

Der Stromverbrauch des Aggregats stieg stetig und größere Reparaturen waren zu erwarten. Daraufhin beschloss die Mitgliederversammlung der Gefriergemeinschaft Mansbach die Schließung der Anlage.

Die technische Anlage des Gefrierhauses wurde in Eigenleistung ausgebaut und entsorgt. Das Gebäude wurde dem Eigentümer des Grundstücks übertragen, der es nun privat nutzen möchte.

Von Franziska Sell

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