Gudrun Neldner aus Ransbach leidet am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom

ADS – immer in Bewegung

Die Diplom-Verwaltungswirtin Gudrun Neldner aus Ransbach hat ADS, das sogenannte Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.

Ransbach/Hünfeld Ein Vortrag über die psychische Störung „ADS“ (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) hat jetzt im Kolpinghaus Hünfeld stattgefunden. Die Betroffene Gudrun Neldner aus Ransbach berichtete aus ihrem Leben, von Irrtümern sowie Therapiemöglichkeiten der Störung.

Jedoch stellen sich ihr die Haare im Nacken auf, wenn sie diese Formulierung hört. Das Wort „Defizit“ stört sie besonders. „ADSler leiden nicht unter einem Aufmerksamkeitsdefizit, sondern bekommen im Gegenteil viel zu viel mit“, erklärt Neldner. So reagieren ADSler auf wirklich jeden Reiz, dem sie begegnen, sei es auch nur die Tannennadel auf dem Fußboden. „Der richtige Ausdruck ist Aufmerksamkeitsinkonsistenz“, zitiert sie aus ihrem Buchmanuskript.

Diagnose vor neun Jahren

Vor neun Jahren erhielt die heute 52-jährige die Diagnose ADS. Dies bedeutete eine große Erleichterung für sie, denn über Jahrzehnte habe sie darunter gelitten, den „normalen“ Anforderungen nicht genügen zu können. Neldner stellte fest: „Es gibt nicht den einen ADSler; ADS wirkt sich bei jedem anders aus.“ Besonders ärgert sie sich über die vielen Irrtümer, die um die Störung existierten. So könne man ADS nicht bekommen. „Man hat’s, oder man hat’s nicht“. Und: „Nicht jede Hibbeligkeit ist ADS“.

Reizoffenheit und die daraus resultierende Unfähigkeit, Prioritäten zu setzen, mangelnde Affektkontrolle oder impulsiv ablaufende Einkäufe sind nur ein paar Anzeichen. „Ich muss immer in Bewegung sein, immer etwas tun. Das ist oft ein fürchterliches Gefühl. Entspannen und zur Ruhe kommen gibt es bei mir nicht“. Zudem müsse ein ADSler viel mehr Kraft und Anstrengung für Aufgaben aufbringen, die andere in einem Drittel der Zeit erledigen können – es sei denn, die Aufgabe ist sehr herausfordernd und interessant.

Symptome ähneln sich

Im Fokus ihrer Aufklärung steht auch, ADS von anderen Krankheiten zu unterscheiden. So komme es häufig vor, dass sich hinter Depressionen, Essstörungen, Süchten oder Persönlichkeitsstörungen ein ADS verberge, zumal sich einige Symptome sehr ähnelten. Neldner bevorzugt Behandlungsmethoden mit einer Mischung aus Therapie und guten Medikamenten, „also einer multimodalen Therapie“, sagt sie. Im Sommer startet sie einen ADS-Treff für Erwachsene in der Region. Wer sich für das Thema interessiert, erreicht Gudrun Neldner telefonisch unter 06629/5609009 oder per SMS unter 0178/8351939.

So ernst das Thema auch ist, sieht die Patchworkmutter von fünf Kindern auch Vorteile. „Wir sind wahnsinnig spontan, kreativ und lieben das Risiko“, sagt sie lachend. (kra)

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