Montagsinterview mit der Journalistin und Autorin Anja Kühner aus Friedewald

Hinauf bis zum Gipfel

Anja Kühner aus Friedewald ist vor kurzem als Fachjournalistin des Jahres ausgezeichnet worden. Foto: nh

Friedewald. Ihre journalistische Karriere begann Anja Kühner aus Friedewald als Schülerin bei unserer Zeitung. Vor kurzem ist sie von der Deutschen Fachpresse mit dem Karl-Theodor-Vogel-Preis 2014 als Fachjournalistin des Jahres ausgezeichnet worden. Prämiert wurde ihr Beitrag „Wer antwortet, gewinnt“ für das Bankmagazin. Wir haben mit Kühner über ihre Arbeit und ihre „alte“ Heimat gesprochen.

Vielen Lesern sind Sie als Autorin des Reiseführers Bad Hersfeld-Rotenburg bekannt. Jetzt haben Sie einen Preis für einen Beitrag über Online-Bewertungsportale für Banker und Finanzberater bekommen. Wie passt das zusammen?

Anja Kühner: Ich bin schon mit 18 Jahren von zu Hause weg und viel herumgekommen, und irgendwie fehlte mir immer ein Buch, das zeigt, wie schön meine Heimat ist. Schließlich habe ich es selbst gemacht. Das Buch zu schreiben, war ein reines Hobby. Ich schreibe einfach gerne Bücher. Bücherschreiben und Journalismus widersprechen sich auch nicht, es ist aber eine ganz andere Herangehensweise. An einem Buch schreibt man sehr lange und es gibt immer wieder Momente, in denen man aufgeben möchte. Das ist wie beim Bergsteigen, man muss einfach weitermachen – und dann ist der Gipfel irgendwann erreicht.

Was fasziniert Sie an Wirtschaftsthemen, und wie kommen Ihnen die Ideen für Ihre Artikel?

Kühner: Von der Ausbildung her bin ich eigentlich eine typische Feld-Wald-und-Wiesen-Journalistin. Ich habe unter anderem bei der Bild-Zeitung gearbeitet. Aber Wirtschaftsthemen haben mich auch immer interessiert, ich hatte Wirtschaft als Leistungskurs am Obersberg. Money makes the world go round, heißt es so schön. Mich interessiert, wie unsere auf Wirtschaft basierende Gesellschaft funktioniert, aber auch, was Menschen dazu antreibt, wirtschaftlich zu entscheiden. Deshalb schreibe ich zum Beispiel gerne Porträts über Banker, Manager oder Unternehmer. Ich schreibe aber auch für eine Wohlfahrtszeitschrift, denn auch Altenpfleger arbeiten für Wirtschaftsunternehmen, somit ist das ein Wirtschaftsthema. Die Themen liegen auf der Straße, sie laufen einem überall über den Weg.

Sie arbeiten auch als Ghostwriterin. Ist es nicht frustrierend, wenn andere die Früchte Ihrer Arbeit ernten und Sie nur im Hintergrund stehen?

Kühner: Nein. Der klassische Reporter steht bei seinen Geschichten ja ebenfalls im Hintergrund und berichtet nur das, was er sieht und was andere machen. Ich bin zufrieden und finde es toll, wenn dem Kunden mein Text so gut gefällt, dass er stolz ist, wenn dann sein Name darüber steht.

Als Schülerin waren Sie eine Zeit lang für unsere Zeitung tätig. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Anfänge?

Kühner: Meinen ersten Artikel habe ich über den Martinsumzug des Friedewalder Kindergartens geschrieben. Den ersten Artikel vergisst man glaube ich nie. Spannend fand ich die Bandbreite der Themen, die man im Lokaljournalismus hat. Während meines Praktikums musste ich als Nicht-Sportlerin plötzlich über Motocross berichten. Das fand ich faszinierend und das war der Grund, warum ich nichts anderes werden wollte als Journalistin. Dass ich heute auch im PR-Bereich tätig bin, hat rein finanzielle Gründe.

Sie sind arbeitsbedingt viel und überall in Deutschland unterwegs. Wieviel Heimat ist der Kreis Hersfeld-Rotenburg noch für Sie?

Kühner: Meine komplette Familie lebt hier. Ich trage meine Heimat immer im Herzen. Ein ganz lustiges Erlebnis hatte ich neulich: Ich habe einen Schweizer Bankvorstand telefonisch interviewt, und wo kam der her? Aus Rotenburg (lacht). Zur Person

Von Nadine Maaz

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