Bau eines Altenheims auf dem ehemaligen Anwesen Axt in Heringen ist noch nicht gesichert

Ein Herz für die Fledermaus

Tierfreund: Ein Mitarbeiter des Regierungspräsidiums in Kassel erachtet dieses Haus an der Fuldischen Aue in Heringen aus naturschutzrechtlicher Sicht für erhaltenswert. Der Fachmann vermutet Fledermäuse in dem Gebäude. Auch auf dem riesigen Grundstück hat der Natur-Spezialist schützenswerte Dinge ausfindig gemacht – einen Steinhaufen (oben rechts eingeklinkt). In ihm könnte sich beispielsweise die Zauneidechse angesiedelt haben. Fotos: Reymond

Heringen. Der Bau eines 6,2 Millionen Euro teuren Altenheims der Arbeiterwohlfahrt Nordhessen mit 69 Betten an der Fuldischen Aue in Heringen ist noch immer offen. Nach einer Ortsbesichtigung hat ein Fachmann des Regierungspräsidiums herausgefunden, dass sich auf dem 5000 Quadratmeter großen Areal mitten im alten Ort sicherlich Fledermäuse, Zauneidechsen sowie seltene Vögel und Insekten wohlfühlen würden. Einen Abriss des dortigen Fachwerkhauses sowie das Aufräumen im Gelände würde er daher aus naturschützerischen Gesichtspunkten verbieten.

„Naturschutz ist wichtig, aber mit solchen Stellungnahmen provoziert man, dass die Menschen Naturschutz als Bedrohung empfinden“, regt sich Heringens Bürgermeister Hans Ries über die Schreiben aus Kassel auf. Für ihn steht fest, dass sich in dem Komplex an der Fuldischen Aue zurzeit nur ein Tier besonders wohlfühlt – die Ratte.

Seit 2006 Streitobjekt

Seit 2006 ist der Bürgermeister bestrebt, einen Abriss der Gebäudekomplexe des einstigen Anwesens Axt in Heringen zu erwirken. Doch immer wieder hatte der Denkmalschutz der Stadt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Selbst als im Jahr 2006 einige Bauten in sich zusammengebrochen waren, wurde weiterhin das Haupthaus geschützt. Mit schweren Balken wurde es vor dem Einsturz bewahrt. Immerhin war das Haus, das weder über fließendes Wasser noch eine Toilette verfügt, noch bis Januar 2009 von einem älteren Mann bewohnt.

Nach dessen Tod versuchte die Stadt immer wieder den Denkmalschutz davon zu überzeugen, dass auch die letzten Gebäude verschwinden müssten. Zunächst ohne Erfolg. Daraufhin machten die Stadtpolitiker ihrerseits Nägel mit Köpfen und beschlossen im Juni 2011 im Bedarfsfall das große Areal von einer Erbengemeinschaft zu kaufen, um es für den Bau eines Seniorenheims zu sichern. Dafür waren 186 000 Euro außerplanmäßig bereitgestellt worden.

Seit Anfang des Jahres ist nun endgültig klar, dass der Komplex nicht mehr unter Denkmalschutz steht. Doch damit sind die Probleme noch nicht endgültig gelöst. Bevor auf dem Grundstück ein AWO-Altenheim entstehen kann, muss zunächst einmal die aktuelle Stellungnahme des Regierungspräsidiums zurückgezogen werden.

Obwohl nach wie vor Fledermaus und Zauneidechse den Bau verhindern könnten, will die AWO den Bauantrag bis Ende Juni einreichen. „Wir hoffen auf ein gutes Ende und gehen davon aus, dass wir im Oktober mit dem Bau beginnen können. Im Oktober 2014 soll der Komplex dann bezugsfertig sein“, berichtet Michael Schmidt, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Nordhessen.

Die Bürger informieren

Bürgermeister Hans Ries will zu dieser Thematik auch noch eine Bürgerinformationsveranstaltung anbieten. Er möchte, dass der RP seine Stellungnahme den Menschen öffentlich erklärt. Ein Ortstermin mit dem Gutachter vor der nächsten Stadtverordnetensitzung am 27. Juni ist bereits geplatzt. „Der Verfasser der Stellungnahme kann frühestens am 28. Juni nach Heringen kommen“, merkt Ries an.

Von Mario Reymond

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