Netzwerk-Ausbildung im Philippsthaler Haus Kreuzberg macht die Schüler rundum fit für den Pflegeberuf

Aus der Not heraus zum Traumjob

Helfen: Susann Funke (links) unterstützt Elfriede Wrobel dabei, aus dem Rollstuhl zu kommen. Die Bewohnerin des Hauses Kreuzberg in Philippsthal möchte es sich in ihrem Fernsehsessel bequem machen. Foto: Reymond

Philippsthal. In der Altenpflege wird in einigen Jahren – mit Blick auf den demographischen Wandel – das Personal knapp. Da ist es gut, dass immer wieder junge Menschen, meist sind es Frauen, eine Ausbildung in sozialen Berufen anstreben.

Einen richtigen Zeitpunkt für die spezielle Berufswahl gibt es dabei nicht, wie das Beispiel Susann Funke zeigt. Die 28-Jährige lässt sich derzeit im Philippsthaler Haus Kreuzberg zur Pflegefachkraft ausbilden. Erst spät hat sie sich für den sozialen Bereich entschieden. Weniger aus Berufung, sondern eher aus der Not heraus. In Oberzella stellten die Kabelwerke Vacha ihren Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen ein und die ungelernte Susann stand als 25-Jährige auf der Straße. Durch Freundinnen wurde sie recht schnell auf den Pflegeberuf aufmerksam. Und nach nur einer Bewerbung kam sie im Haus Kreuzberg unter.

Verkürzte Ausbildung

Zunächst absolvierte sie eine einjährige Ausbildung zur Pflegehelferin. Mehr war für die junge Frau, die es während ihrer schulischen Laufbahn bis zum Hauptschulabschluss schaffte, erst einmal nicht drin. „Doch ihre Leistungen waren so gut, dass wir ihr sofort die zusätzliche Ausbildung zur Pflegefachkraft angeboten haben. Und sie muss wegen ihrer Vorkenntnisse auch nur zwei, statt drei Jahre Lehrzeit hinter sich bringen“, erklärt Petra Schwestka, die für den stationären Bereich zuständige Pflegedienstleiterin.

Susann Funke, die bereits mit 17 Jahren Mutter wurde und so schon recht früh für ein eigenes Kind da sein musste, glaubt, dass dies mit ein Grund dafür gewesen ist, warum sie sich heute so intensiv um Menschen kümmern möchte. „Ich musste notgedrungen sehr früh erwachsen werden. Meine Mutter konnte mich nach der Geburt nicht unterstützen. Sie lebt im Harz. Da waren wir als junge Familie ganz auf uns alleine gestellt“, erinnert sich die angehende Pflegefachkraft.

Hohe Übernahmequote

Im Herbst 2014 wird sie mit der Ausbildung fertig. „Ich hoffe, dass ich dann bleiben darf“, sagt Susann Funke. Eine Zusage kann ihr Petra Schwestka heute natürlich noch nicht geben, doch die Übernahmequote im Haus Kreuzberg liegt bei über 80 Prozent. Das hat Volker Reichhardt, der Pflegedienstleiter-Ambulanz schnell ausgerechnet. Keine schlechten Aussichten also für Susann Funke, auch später für das Haus Kreuzberg arbeiten zu dürfen.

Wenn es aber nicht klappen sollte, dann sei sie im Haus Kreuzberg so gut auf die Zukunft vorbereitet worden, um in jeder anderen Pflegeeinrichtung Fuß fassen zu können. „Wir haben bei uns ein sogenanntes Netzwerk. Unsere Pflegeschüler durchlaufen während der Ausbildung alle einzelnen Bereiche – von der Ambulanz über die Station, die Tagespflege, die soziale Betreuung und auch Essen auf Rädern. Diese Rundum-Ausbildung können viele andere Häuser gar nicht anbieten, weil sie sich nur auf die reine stationäre Pflege konzentrieren“, erklärt Reichhardt.

Das dürfte auch für Susann Funke von Vorteil sein, wenn sie sich im Herbst kommenden Jahres wider Erwarten doch in einer anderen Pflegeeinrichtung bewerben müsste. ARTIKEL LINKS

Von Mario Reymond

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