Tag des offenen Denkmals auf Bodesruh eröffnet - unbequemes Mahnmal

Gut, dass alles vorbei ist

Nicht nur ein interessant gestalteter Aussichtsturm, sondern eine Erinnerung an die deutsche Teilung ist das Mahnmal Bodesruh.

KLEINENSEE/Bad Hersfeld. Auf den ersten Blick ist es kein unbequemes Denkmal. Erst wenn man weiß, wann und warum das Mahnmal Bodesruh errichtet wurde, wird deutlich, dass es mehr ist als ein interessant gestalteter Aussichtsturm, von dem aus man weit nach Osten schauen kann.

Grund genug für den Denkmalbeirat des Landkreises, zur Eröffnung des Tages des offenen Denkmals, der jenseits des Guten und Schönen liegende Denkmäler in den Blickpunkt rücken will, auf die hoch über Kleinensee gelegene Plattform einzuladen, die sich Forstmeister Eduard Bode vor über 100 Jahren als Platz für eine Jagdhütte ausgesucht hatte. Kreisbeigeordneter Helmut Miska freut sich, gut 30 Personen begrüßen zu dürfen – nicht viele, wenn man bedenkt, wie viele Menschen bis zur friedlichen Revolution in der DDR hierher kamen, um Besuchern aus Nah und Fern das Zick-Zack des unmenschlichen, Hessen und Thüringen, Kleinensee und Großensee trennenden Stacheldrahts vor Augen zu führen.

Miska verweist darauf, dass es im Landkreis etwa 2250 eingetragene Baudenkmäler und schützenswerte Gesamtanlagen gibt. Unter Verweis auf die am Mahnmal angebrachte Bronzetafel hebt er hervor, dass die vor einem halben Jahrhundert auf Initiative des Kleinenseer Bürgermeisters Wilhelm Krapf mit Unterstützung des Landes Hessen und des Landkreises für rund 55 000 Deutsche Mark errichtete Treppenkonstruktion am 17. Juni 1964 in Anwesenheit des Hessischen Ministerpräsidenten Georg-August Zinn eingeweiht wurde. „Sie erinnert an die schmerzliche Zeit der innerdeutschen Teilung und sie steht als wichtiger Zeitzeuge für die Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit.“ Ähnlich sieht es Heringens Stadtrat Gunther Hoch, der an die Menschen erinnert, die an der unmenschlichen Ost-West-Grenze ihr Leben verloren haben.

Ingrid Waldeck, der Vorsitzenden des Denkmalbeirats, bleibt es vorbehalten, auf der Grundlage einer Ausarbeitung von Hans-Otto Kurz auf interessante geschichtliche und baugeschichtliche Details einzugehen. Sie weiß auch davon zu berichten, dass es immer wieder vorkam, dass im Westen lebende Kinder auf das Mahnmal stiegen, um wenigstens per Fernglas an der im Sperrgebiet stattfindenden Beerdigung ihrer Eltern teilzunehmen. „Gut, dass alles vorbei ist!“, ist ihr Fazit an dem Platz, an dem deutsche Geschichte spürbar wird.

Pfarrer Karl-Werner Brauer übermittelt Grüße von Heide Schumann-Held, der in Bad Hersfeld lebenden Tochter des Architekten Karl Schumann. Wildecks ehemaliger Beigeordneter Gunther Koch erzählt von seiner zufälligen Begegnung mit der Enkelin von Förster Bode. Geschichte live – der Tag des offenen Denkmals ist zum Denk-mal-Tag geworden. Auch im Jagdhaus Bodesruh, wo die Mitglieder des Heimat- und Verkehrsvereins Kleinensee mit Bildern und Schautafeln an unbequeme Wahrheiten erinnern.

In Bad Hersfeld nutzten etwa 120 Interessierte die Gelegenheit, das ehemalige Tanzcafé Bolender am Kurpark zu besichtigen. Der städtische Denkmalpfleger Johannes van Horrick, der die Kurzführungen leitete, berichtete gestern, dass der Denkmal-Status des zum Teil leerstehenden Gebäudes von den Besuchern nicht in Frage gestellt worden sei.

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