Heringer Jugendliche nahmen an internationalem Treffen in Auschwitz teil

Das Grauen selbst sehen

Gemeinsames Gedenken: Im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau legten die Jugendlichen aus drei Nationen Rosen für die Opfer des Nationalsozialismus nieder. Foto: nh

Heringen/Auschwitz. Dreißig Jugendliche, acht Betreuer, ein gemeinsames Ziel – „Auschwitz mit eigenen Augen sehen“. Unter diesem Motto stand die zwölfte trilaterale Bildungsfahrt der Stadt Heringen.

Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau war das größte deutsche Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus. Es wurde 1941 drei Kilometer entfernt vom Stammlager Auschwitz I gebaut und befand im nach der militärischen Besetzung Polens vom Deutschen Reich annektierten und als Verwaltungseinheit errichteten Landkreis Bielitz. Das Lager wurde am 27. Januar 1945 durch Truppen der Roten Armee befreit. 1,1 Millionen Menschen, darunter eine Million Juden, sind bis dahin in Birkenau ermordet worden.

Ehemaliger Häftling

Sieben deutsche Jugendliche und Schüler der Werratalschule brachen mit ihrem Betreuer Jörg Lorey und dem Fachreferenten Andreas Richter nach Oswicim in Polen auf. Dort trafen die Jugendlichen auf die französische Gruppe und die polnische Gruppe aus Odolanów. Die Teilnehmer bewegten sich auf den Spuren von Stanislaw Hantz, einem ehemaligen Häftling, der als 17-jähriger gefangengenommen wurde. Im ehemaligen Lager Auschwitz-Birkenau zündeten die Jugendlichen Grablichter an und schwiegen für eine lange Zeit. „Jeder trauerte auf seine Art und Weise“, heißt es in einer Pressemitteilung. Jeder Teilnehmer bekam eine Rose, welche er an einer ihm wichtigen Stelle im Vernichtungslager niederlegen durfte. In den Ruinen der ehemaligen Gaskammern und Verbrennungsöfen lernten die Heringer, dass dort Häftlinge in einem „Sonderkommando“ arbeiten mussten und dass das eingesetzte Gas Zyklon B erst bei einer bestimmten Temperatur wirkte. „Die Menschen wurden mit allen Hilfsmitteln hintergangen. Es wurde erzählt, dass sie „geduscht“ werden sollten und sie sollten sich sogar ihre Platznummer merken, wo ihre Kleidung lag. Nach dem Auskleiden ging es in die Gaskammer, welche verschlossen und nach etwa 20 Minuten wieder geöffnet wurde. Danach wurden die Leichen nach oben befördert und verbrannt“, berichtet Emily Dammer über das Erlebte. „Beim Roten Haus, unserer letzten Station, wurde es nochmal sehr schwer für uns, weil uns erklärt wurde, wie die SS Kinder am lebendigen Leib einfach in ein Feuer warf, während ihre Eltern im Haus vergast und danach verbrannt wurden“, heißt es in dem Bericht der Stadtjugendpflege weiter.

In einer gemeinsamen Abendveranstaltung verarbeiteten die Jugendlichen das Erlebte. Der Abschied am nächsten Morgen fiel den Heringern schwer, da sich neue Freundschaften gebildet haben. Für die Jugendlichen war es eine erlebnisreiche und prägende Zeit. (red/jce)

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