Heringer Christophorus-Verein inszenierte in der vollen Kirche die Geburt Jesu

Mit Gott am richtigen Ort

Weihnachtlicher Gesang: Beim Krippenspiel in Heringen wirkte in diesem Jahr auch die Kantorei unter Leitung des neuen Kantors Matthias Weber mit. Rund 40 Darsteller gestalteten die Weihnachtsgeschichte szenisch und musikalisch. Foto: Konopka

HERINGEN. Die hochschwangere Maria ist mit ihrem Josef auf Herbergssuche. Gleichsam auf der Suche nach dem Selbst. „Auf Heimat los“ hieß das 16. Heringer Krippenspiel für Erwachsene, das mittlerweile Tradition in der Bergmannsstadt ist. Im Mittelpunkt stand diesmal das Motiv des Auf-dem-Weg-Seins, des Suchens nach Heimat. Die Stadtkirche war am vierten Advent wieder voll mit gläubigen Menschen, die, zumindest an diesem Abend, hier Heimat fanden.

Das Stück spielte ganz „historisch“ im Jahre 0 – Jahr 3761 nach dem jüdischen Kalender. Der musikalische Vorhang als Zwischenszenen führte immer in die heutige Zeit. Menschen sind auf dem Weg und warten auf den nächsten Zug in die Heimat, zu den Eltern. Doch können sie dort das Weihnachtsfest ihrer Kindheit wiederfinden? In dem Krippenspiel des Christophorus-Vereins wurde die Suche nach den eigenen Lebenszielen auch in den Bildern der Weihnachtsgeschichte nachgespürt.

Felix Gottschalk spielte den Josef und Rachel Googe die Maria. Gottschalk kommt aus der Nähe von Oberhof in Thüringen und ist seit September Vikar in Heringen. In die Rolle sei er reingewachsen. „Dadurch kann ich die Gemeinde besser kennen lernen“, freut er sich. Rachel Googe geht noch zur Werratalschule und war zum dritten Mal dabei: „Die Maria spiele ich aber zum ersten Mal.“ Das Stück wurde wieder von Claus Heymann geschrieben und in Szene gesetzt. Neu dabei war, dass sich die Kantorei unter der Leitung des neuen Kantors Matthias Weber an der Aufführung beteiligte. So wirkten in diesem Jahr rund 40 Darsteller beim Krippenspiel mit. „Ein großes, aber nicht ganz so großes Ensemble wie in Bad Hersfeld“, wie „Markthändlerin“ Daniela Kirschner-König, die Vorsitzende des Christophorus-Vereins, meinte. Das habe den großen Vorteil, keine Budget-Probleme zu haben und „dass die Politik uns nicht reinredet“. Beifall im Publikum.

Lied von neuer CD

Pfarrer Thorsten Waap sang auch ein Lied von seiner im nächsten Jahr erscheinenden neuen CD. Christopher Herzog spielte die Klarinette und Jonathan Wentland hielt den Rhythmus. Berthold Kessler und Hans Weil kümmerten sich um die Technik.

Die Dialoge stimmten Die Gottesdienstbesucher nachdenklich ob der aktuellen Situation für die Menschen im Nahen Osten und andernorts. „Wir sitzen hier in diesem erbärmlichen Stall“, sagt Josef. „Und fanden doch eine Heimat. Auch hier im Stall. Die Ruhe, und die Sicherheit“, erwidert Maria. Und Josef stellt fest, der Welt aber werde nichts genommen, von ihren Wagnissen, Ärgernissen, und Ungerechtigkeiten. Maria optimistisch: „Aber dieses Kind fügt der Welt etwas hinzu. Die Möglichkeit und Gewissheit auch in dieser Welt zu einer Heimat zu kommen. In Freiheit und Offenheit und in der Sicherheit des Verlässlichen, jenseits dieser Unruhe und Unsicherheit des Lebens.“ Ob dieser Stall denn der richtige Platz wäre, zweifelt Josef. „Wenn man Gott nahe ist, ist man immer am richtigen Ort“, ist Maria überzeugt.

Lang anhaltender Applaus. Dann machten sich alle wieder auf den Weg zu ihrer persönlichen Heimstatt – und freuten sich auf Weihnachten.

Von Ludger Konopka

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