Hunderte Bergleute kamen zu Kirchschicht und rustikalem Tzscherperfrühstück

Glaube, Liebe, Hoffnung

Rund 500 Bergleute und Gläubige nahmen an der traditionellen 21. Kirchschicht des Bergmannvereins Glückauf Wintershall in der Heringer Stadtkirche und dem anschließenden Tzscherperfrühstück im Bürgerhaus teil. Im Bild Kumpel der Bergbrüderschaft Geyer im Erzgebirge vor der Kirche. Foto:  Konopka

HERINGEN. Die traditionelle Kirchschicht des Heringer Bergmannsvereins Glückauf Wintershall war wieder bestens besucht. Den Bergdankgottesdienst am Sonntag in der evangelischen Stadtkirche mit anschließendem Tzscherperfrühstück im Bürgerhaus feierten rund 500 Bergleute und Gläubige. Neben vielen prominenten Gästen aus Politik und Wirtschaft, waren Abordnungen von 14 befreundeten Traditionsvereinen aus Hessen, Thüringen, dem Erzgebirge und sogar aus Baden-Württemberg ins Land der weißen Berge gekommen.

„Das Boot ist voll“

In Bergmannstracht gekleidet trafen sich die Kumpel vorher am Bürgerhaus und zogen zu den Klängen der Wintershaller Bergkapelle mit ihren Vereinsfahnen durch Heringen. „Das Boot ist voll“ war das Thema zur Flüchtlings- und Asylproblematik in der Kirchschicht. Die Pfarrer Dr. Thorsten Waap und Dr. Samuel Rapu gestalteten den ökumenischen Gottesdienst, der mit vielen bergmännischen Symbolen geschmückt war.

Bergleute führten das Titelthema mit einem stilisierten Boot szenisch auf. Thorsten Waap: „Es ist eine große Herausforderung für uns mit Fremdem umzugehen. Dabei kann es doch schön sein, wenn das Boot voll ist.“ Angst, Ablehnung und Resignation brächten das Boot eigentlich zum Kentern. „Aber mit Glaube, Liebe und Hoffnung kann dem begegnet werden“, sagt Waap. Mit offenem Herzen könne man auf das vermeintlich Fremde zugehen und auch der Beistand Gottes verdeutliche das Positive an der Vielfalt.

Nach dem Schichtspruch und dem Signal zur Ausfahrt spielte die Bergkapelle Wintershall unter der Leitung von Elmar Sichler noch das Bergmannslied. Vor der Kirche formierten sich die Kumpel dann zur bunten Bergparade zum Bürgerhaus. Dort wurde das traditionelle Tzscherperfrühstück serviert, das von Dieter Guderjahn, dem Vorsitzenden des gastgebenden Bergmannsverein Glückauf Wintershall, zünftig eröffnet wurde.

Namensgeber ist der Tzscherper, in der Sprache der Bergleute ein feststehendes Berufsmesser mit kurzer gerader, starker Klinge, das die Bergleute stets in der Seitentasche an der Hose oder neben der Tasche am Gürtel mit sich trugen. Mit dem Tzscherper wurde das Gezimmer in der Grube untersucht, um herauszufinden, ob es noch tragfähig war. Das Messer diente dem Bergmann auch als einziges Essbesteck, mit dem er sein Brot „über den Daumen“ aß.

Die rustikale Tzscherper-Bergmannsmahlzeit besteht aus Schwartenwurst, Mett mit Zwiebeln, Leberwurst, Käse, Brot, Gurken sowie Bier und einem Bergmannsschnaps, dem sogenannten Fahrschnaps.

Schmecken ließen es sich auch Staatsminister Michael Roth, der Kasseler Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, die 1. Kreisbeigeordnete Elke Künholz, SPD-MdL Torsten Warnecke, der ehemalige MdB Berthold Wittich, Heringens Bürgermeister Hans Ries sowie seine Amtskollegen aus den Nachbargemeinden. Nach dem Frühstück wurde noch das Steigerlied gesungen – alle sieben Strophen.

Von Ludger Konopka

Kirchschicht des Heringer Bergmannsvereins Glückauf Wintershall

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