Reaktionen aus der Region auf den Vier-Phasen-Plan von K+S und der Landesregierung für eine salzfreie Werra bis 2075

Gesetzeswidrig oder positives Signal?

Förderband am Monte Kali: Die Abraumhalden von K + S im Werratal, wie hier am Standort Wintershall in Heringen, sollen abgedeckt werden. Das sieht der Vier-Phasen-Plan von K + S und der hessischen Landesregierung vor, der am Montag vorgestellt worden ist. Foto: Archiv

Philippsthal/Heringen. Lob und Zustimmung, aber auch Skepsis und Kritik ernten im Werra-Kali-Revier Pläne des von K+S und der hessischen Landesregierung, die Salzlast der Werra bis ins Jahr 2075 auf Süßwasserqualität zu reduzieren.

Am Montag war ein Vier-Phasen-Konzept vorgestellt worden, welches neben weiteren Investitionen zur Salzwasser-Reduzierung die Verlängerung der Laugenversenkung bis 2021, den Bau einer Leitung an die Oberweser sowie die Abdeckung der Kalihalden vorsieht. Wir fassen Reaktionen aus dem Werratal zusammen.

• Philippsthals Bürgermeister Ralf Orth wertet es als ein grundsätzlich positives Signal, dass sich Landesregierung und K+S auf ein gemeinsames Konzept geeinigt haben. Dadurch werde für die Kali-Arbeitsplätze eine Perspektive geschaffen. Derzeit sei er dabei, das Gutachten im Detail zu prüfen. Danach könne er einzelne Maßnahmen des Konzeptes im Detail bewerten.

• Heringens Bürgermeister Hans Ries sieht den Maßnahmenplan skeptisch. Er befürchtet massiven Widerstand gegen den Bau der Pipeline im Landkreis Kassel sowie ein Wiederaufflammen der Proteste gegen die Laugenversenkung in Thüringen. Der Königsweg für den Erhalt der Arbeitsplätze wäre für ihn eine Laugenleitung an die Nordsee gewesen. Skeptisch betrachtet Ries auch die jetzt ins Auge gefasste Abdeckung der Halden, die bisher als technisch nicht möglich gegolten habe.

• Der K + S-Betriebsratsvorsitzende Harald Döll wertet es als positives Signal, dass zu einem Kompromiss gekommen sei. Die Einigung sei für beide Seiten mit Einschnitten verbunden – für K + S mit wirtschaftlichen Abstrichen. Dennoch sei es für die Mitarbeiter beruhigend, dass es jetzt eine langfristige Perspektive für die Arbeitsplätze gebe.

• Volker Weber, Landesbezirksvorsitzender der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Hessen-Thüringen und Mitglied des Runden Tisches „Gewässerschutz Werra/Weser“ begrüßte den Vier-Phasen-Plan. Er vereine langfristig den Umweltschutz mit den Interessen der Anlieger sowie der Sicherung der Arbeitsplätze im Kalibergbau und den Zulieferbetrieben.

• Für die erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz wird durch das Maßnahmenpaket Sicherheit für die Arbeitsplätze und für den Umweltschutz erreicht. Die vorgestellten vier Phasen seinen nachvollziehbar. Möglicherweise gelinge es durch weiter verbesserte Verfahren, die Umweltbelastungen schneller oder intensiver zu verringern.

• Der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich und die CDU-Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt loben das Konzept als einen ganzheitlichen Ansatz, um die Salzabwasserproblematik dauerhaft zu verbessern. Arnoldt sieht einen „fairen Ausgleich zwischen ökologischen und ökonomischen Interessen. Die Vereinbarung helfe K + S, die Produktion vor Ort weiter wettbewerbsfähig zu betreiben, gleichzeitig werde das Unternehmen beim Umweltschutz nicht aus der Verantwortung entlassen, so Heiderich.

• Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung äußert heftige Kritik und spricht in einer Pressemitteilung von einer „an Recht und Gesetz vorbei in Aussicht gestellten Verlängerung der bisherigen umweltschädigenden Entsorgungspraxis“. Bei einer andauernden Versenkung sei das Grundwasser von 30 000 Einwohnern gefährdet. Die Gemeinde Gerstungen werde alles unternehmen, um ihr Trinkwasser zu schützen. Notfalls müsse die europäische Komission einschreiten.

• Der Vorsitzende der Werra-Weser-Anrainerkonferenz, Dr. Walter Hölzel, kritisiert, dass Hessens Umweltministerin Priska Hinz K+S widerstandslos nachgebe. Der Plan werde aber nur Bestand haben, wenn die Unterliegerländer damit einverstanden seien und ihn zur Grundlage des Bewirtschaftungsplans 2015 für die Flussgebietseinheit Weser machten. Damit sei jedoch nicht zu rechnen, so Hölzel abschließend.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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