250 Dinge, die wir an der Region mögen (187): Die Linde am Sportplatz in Wippershain

Geschichtsträchtiger Baum

Die unter Naturschutz stehende Linde am Sportplatz von Wippershain wird 100 Jahre alt. Foto: nh

Wippershain. Die Linde am Wippershainer Sportplatz wird am 18. Oktober 100 Jahre alt. Im Jahre 1913 wurde aus Anlass der einhundertsten Wiederkehr des Tages der Völkerschlacht bei Leipzig von den drei Oberklassen der Wippershainer Volksschule die Linde gepflanzt.

Anno 1813 bildeten fünf Länder eine Koalition mit dem Ziel, sich von der Herrschaft Napoleons zu befreien. Das waren Preußen, Russland, England, Österreich und Schweden. Vom 16. bis 19. Oktober 1813 brachten sie in der „Völkerschlacht bei Leipzig Napoleon eine vernichtende Niederlage bei.

Aus der Schulchronik

Nachfolgend der vom Original abgeschriebene Protokolltext dieser Pflanzaktion, eingetragen in der Schulchronik durch den legendären Wippershainer Schullehrer Burghard Steinhauer, Spitzname „Der al Babb“ vom 21. Oktober 1913: „Am Tage vor der Jahrhundertfeier zur Völkerschlacht bei Leipzig holten die Schüler der Ober- und Mittelklasse Reisig aus dem nahen Gehölz und errichteten auf dem Spielplatz einen großen Holzstoß. Am Vormittag des 18. Oktober wurde eine Schulfeier abgehalten in der ein Bild des Völkerschlachtdenkmals gezeigt und erläutert wurde. Von 12 bis 12.30 Uhr läuteten die Kirchenglocken. Um 13 Uhr marschierten alle drei Klassen mit der Fahne auf den Spielplatz und pflanzten eine Gedächtnislinde. Am Abend versammelten sich die Schulklassen und viele Nachbarn mit Frauen und Kindern auf dem Spielplatz. Der Unterzeichnete wies auf die Bedeutung des Tages hin und weihte die Linde. Sie ist Jahrhundertlinde genannt. Nach dem Kaiserhoch schlugen die Flammen zum nächtlichen Himmel empor. Am Sonntag war Festgottesdienst in dem der Kirchenchor sang: Großer Gott wir loben dich.“

Erstaunlich ist, dass dieser Baum, dazu noch in solch exponierter Lage, überhaupt am Leben blieb. In 455 Metern Höhe, freistehend und ungeschützt hat er bis heute jeder Witterung getrotzt. Allerdings wäre er 1974 im Zuge der Sportplatzerneuerung fast der Axt zum Opfer gefallen, da er wie so manche historische Natur- und Kulturgüter keinen gesetzlichen Schutz genoss und im Zuge einer sogenannten unabänderbaren Gesamtkonzeption hätte entfernt werden sollen. Dank der Initiative einiger Bürgerinnen und Bürger wurde die Linde innerhalb einer kurzen Frist unter Naturschutz gestellt. Zu imposanter Größe herangewachsen, niemandem zum Nachteil, dem Sport nicht hinderlich sondern vielen zur Freude steht sie noch und erinnert an die „Völkerschlacht“ bei Leipzig vor 200 Jahren.

Es bleibt zu hoffen, dass es immer wieder Bürger gibt, die sich für den Erhalt von Natur- und Kulturdenkmälern einsetzen, um sie den folgenden Generationen in ursprünglicher Form zu erhalten.

Von Hans Kraushaar

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