Werratalschule: Abiturienten erhielten ihre Abschlusszeugnisse

Gelungenes Experiment

Geschafft: Diese jungen Frauen und Männer erhielten am Freitagabend in der Aula der Werratalschule ihre Abiturzeugnisse. Danach ging es zum Gruppenfoto auf die grüne Wiese. Dabei schummelten sich auch einige Lehrer aufs Bild, die sich zusammen mit den Absolventen freuten. Foto: Reymond

Heringen. 52 junge Frauen und Männer haben an der Werratalschule ihr Abitur bestanden. Während einer Feierstunde in der Aula der Schule erhielten sie am Freitagabend ihre Abschlusszeugnisse.

Schulleiter Gerhard Ferenszkiewicz zeigte sich besonders erfreut über die guten Leistungen dieses Jahrgangs: „Der Notendurchschnitt ist besser als 2,5. Und mit Julia Zaenker haben wir erstmals seit 1997 wieder eine Abiturientin, die eine 1,0 erreichte“.

Alle Schülerinnen und Schüler gehörten zum kleinen, gut funktionierenden System Werratalschule, in dem der soziale Kontakt im Vordergrund stehe. „Nutzen sie jetzt ihre sozialen Kompetenzen. Sie wiegen mehr, als manches Wissen“, rief der Schulleiter den Abiturienten zu.

Auch Reiner Standke vom staatlichen Schulamt in Bebra lobte die Werratalschule: „Die Politik hat ihre Schule in der Vergangenheit wegen niedriger Schülerzahlen immer wieder kritisch beäugt. Sie haben dies alles mit Erfolg widerlegt. Ich wünsche der Schule und den Absolventen viel Glück in der Zukunft. Aber das dürfte kein Problem sein, denn aus dem Osten kommt ja bekanntlich das Licht“.

Für den Schulelternbeirat versuchte Dr. Jürgen Leimbach den Abiturienten den Weg zur Universität schmackhaft zu machen. „Das Studium ist eine tolle Zeit, auch wenn es hart wird. Lernt und arbeitet, vergesst dabei aber nicht zu leben“.

In seiner akademische Rede unterstrich Lehrer Guido Bussmann die Wichtigkeit der Gegenwart. „Natürlich ist Zukunftsplanung wichtig, aber sie muss sich immer und ausschließlich an der Gegenwart orientieren und jederzeit den veränderten Lebensumständen – die dann ja die neue Gegenwart abbilden – angepasst werden“.

Strahlende Gesichter

Überhaupt sei Gegenwart das, was gerade geschehe. Sie berge Überraschungen, Abwechslung, Emotionen, manchmal Erkenntnisse. „Da erlebte Gegenwart immer auch persönlich ist, empfinde ich im Moment Zufriedenheit und Stolz, mit euch gemeinsam einen langen Weg erfolgreich gegangen zu sein. Ich genieße aber auch die Wehmut, die mit diesem Augenblick verknüpft ist. Dieser Augenblick könnte aus eurer Sicht geprägt sein von purer Freude“, sagte Bussmann und blickte in strahlende Gesichter.

Das Lachen hielt dann bei der Rede der Abiturienten Einzug. Heiter und unterhaltsam ließen Jana Kirschner, Madeline Schneider und Julia Zaenker ihre Schulzeit Revue passieren.

Mit Blick auf den Maya-Kalender stellten die drei ihren Schulbesuch der vergangenen Jahre infrage. „Die Maya sagen, dass am 21. Dezember 2012 die Welt untergeht. Wozu sollten wir also Abi machen? Andererseits wäre nur zu Hause rumsitzen ja auch langweilig“, beantworteten die drei ihre Frage gleich selbst.

Überhaupt sei ihr Jahrgang ein großes Experiment gewesen. „Als Vorreiter in Hessen bestritten einige von uns den Weg zum Abitur in zwölf, andere in 13 Jahren. Eine bunt zusammengewürfelte Truppe also – die jüngste Abiturientin ist erst 17 und die älteste schon fast 21“. Trotz dieser Altersunterschiede habe es keinerlei Probleme untereinander gegeben. Schon heute freuen sich alle auf das erste Klassentreffen.

Von Mario Reymond

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