Herfabachbrücke: Bürgermeister rechtfertigt bei Info-Abend das Vorgehen der Stadt

„Gefahr war in Verzug“

Rechtfertigte sein Vorgehen: Heringens Bürgermeister Hans Ries schilderte bei einer Informationsveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus Wölfershausen die Pläne zur Bachbett-Renaturierung aus seiner Sicht. Foto: Eisenberg

Wölfershausen. Heringens Bürgermeister Hans Ries hält die vom Landkreis geforderte Renaturierung des Bachbetts unter der neuen Herbabachbrücke für nicht notwendig und will die Baumaßnahme deshalb nicht umsetzen. Das hat er Landrat Dr. Karl-Ernst in einem Brief mitgeteilt, nachdem am Donnerstag eine Informationsveranstaltung stattgefunden hatte.

Die Stadt Heringen soll auf die Betonsohle der Brücke Eichenbalken sowie ein Sediment aus natürlichen Materialien wie Sandstein aufbringen, damit dort eine Fließrinne entsteht. Grund für diese Auflagen ist nach Auskunft von Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt, dass die Brücke ohne Genehmigung entgegen geltender Vorschriften errichtet wurde (unsere Zeitung berichtete).

Ries bekräftigte beim Infoabend seine Sicht der Dinge: Die Baumaßnahme sei überflüssig, der gewünschte Effekt trete auch durch natürliche Ablagerungen ein. Die Darstellung des Landratsamtes, die Stadt habe mit der Brücke einen Schwarzbau errichtet, wiesen Ries und Bauamtsleiter Helmut Jordan zurück. Der Bauantrag sei nicht nach, sondern parallel zum Brückenbau errichtet worden. Weil sich im maroden Vorgängerbauwerk ein Loch aufgetan habe, sei Gefahr in Verzug gewesen. „Wenn ich mir einen Vorwurf machen muss, dann den, dass ich mir die alte Brücke nicht schon viel früher selbst von unten angeschaut habe“, betonte Ries. Zu den zwischen Kreis und Stadt stark abweichenden Schätzungen der Baukosten verwies der Bürgermeister auf die Ausschreibung, bei der eine seriöse Baufirma auf einen Preis von 60 000 Euro gekommen sei.

Die Zuhörer im Wölfershäuser Dorfgemeinschaftshaus hatte Ries dabei weitgehend auf seiner Seite. Von „Schwachsinn“ oder „Behördenwillkür“ war die Rede. Gemeinsam mit dem Landkreis solle eine kostengünstigere Lösung gefunden werden. Zudem merkten Zuhörer an, dass die Brücke in ihrer derzeitigen Form der Strömung bei Hochwasser endlich genügend Raum lasse und anderswo schmale Bachbetten eigens verbreitert würden.

Allerdings musste sich der Bürgermeister aus dem Publikum, in dem auch Angehörige der städtischen Gremien saßen, Kritik anhören: Er habe sich beim Bau nicht an Gesetze gehalten und verhindere mit seiner „Wadenbeißerei“ einen vernünftigen Dialog mit dem Kreis. Als der Bürgermeister offen darüber abstimmen ließ, dem Landrat vorzuschlagen, die Situation an der Brücke zunächst ein Jahr zu beobachten, votierte die Mehrheit dafür.

Bei der Abfrage von Gegenstimmen und Enthaltungen zeigte niemand auf, allerdings stimmten mehrere Anwesende überhaupt nicht ab.

Landrat Schmidt hat bereits angekündigt, die Arbeiten anzuweisen, sollten sie bis Jahresende nicht erledigt sein. Beschäftigen wird die Herfabachbrücke am 11. September auch die Heringer Stadtverordneten, die das Geld die Arbeiten freigeben müssten.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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