Andacht und Satire zum Thema Fußball im Sportlerheim Wippershain

Fußball steht über allem

Wippershain Andacht und Satire zum Thema Fußball, Herbert Janßen unterhielt die Gäste

Wippershain. Normalerweise findet der Gottesdienst am Sonntag in der Kirche statt, beginnt mit dem Orgelspiel und besteht aus dem Singen von Liedern, der Predigt, dem Segen und anderen festgelegten Elementen. In Wippershain wurde dieses Schema aus aktuellem Anlass von Pfarrerin Imke Leipold ein wenig auf den Kopf gestellt. Sie hatte zu einem zusätzlichen Gottesdienst zum Thema Fußball eingeladen, der im Sportlerheim stattfand, mit dem „Olé, Olé“-Schlachtruf aus einem Megafon begann und aus einer kurzen Andacht mit anschließender Theatervorstellung bestand.

Kehrseite des Götter-Status

„Fußball ist oft einfacher als unser Leben“, sagte Pfarrerin Imke Leipold und sprach über die Besonderheiten des Sports, der momentan während der Weltmeisterschaft in Brasilien die ganze Welt begeistert. „Es gibt nicht unzählige Möglichkeiten. Es gibt klare Favoriten und krasse Außenseiter, aber dennoch ist das Ende ungewiss.“

Fußball sei prägend und der Jubel und die Fanbegeisterung verliehen den Spielern oft einen Götter-Status, der allerdings eine Kehrseite mit sich bringe. „Sie sind nur solange Götter, solange sie siegen“, erläuterte sie und erinnerte an die Reaktionen nach dem teils schwachen Auftreten der deutschen Mannschaft am vergangenen Wochenende im Spiel gegen Ghana. „Sofort wurde diskutiert, warum die ganze Truppe nichts taugt, die Euphorie war vergessen.“ Dies sei der größte Unterschied zwischen den Göttern des Fußballs und unserem Gott, der „uns immer zur Seite steht“.

Den Bogen zwischen dem Thema Fußball und Kirche schlug Pfarrerin Leipold ge-konnt, indem sie gemeinsam mit Kurt Wagner, dem ersten Vorsitzenden des SV Rotensee/Wippershain, Assoziationen zum Thema Fußball und Kirche, sowie einen umgedichteten Psalm vortrug, der sowohl Worte aus der Hymne des FC Liverpool, als auch Auszüge aus dem Buch Jesaja enthielt.

Leben eines Trainers

Anschließend präsentierte Herbert Janßen die Fußball-Satire „Leben bis Männer“ von Thomas Brussig. Darin ging es um einen Fußballtrainer, der in der Zeit der deutschen Wie-dervereinigung vom Fußball so vereinnahmt ist, dass er diesem alle anderen Aspekte seines Lebens unterordnet. So vergleicht er weltpolitische Ereignisse mit taktischen Spielzügen, erklärt im Scheidungsprozess von seiner Frau, dass er den Sport seiner Ehe vorzöge und betont stets, dass er kein Frauenfeind sei, obwohl er nichts von Fußballtrainerinnen halte.

Mit seiner lebensechten und eindrucksvollen Darbietung unterhielt Herbert Janßen das Publikum knapp zwei Stunden lang.

Von Nicole Wagner

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