Baufälliges Hallenbad: Heringer Stadtparlament nimmt Vergleichsvorschlag an

Furcht vor der Nullnummer

Verschwunden: Durch die hohen Temperaturen und die Feuchtigkeit im alten Hallenbad hatten sich im Mauerwerk zur Stabilisierung beitragende Eisenteile förmlich aufgelöst Foto: nh

Heringen. Die Diskussion um die Baufälligkeit des alten Heringer Hallenbads, das vor mehr als fünf Jahren aus Sicherheitsgründen geschlossen worden war, ging jetzt im Heringer Stadtparlament in die nächste Runde. Dort sollten die Stadtverordneten am Donnerstagabend im Bürgerhaus entscheiden, wie sie sich in dem Rechtsstreit zwischen der Stadt und dem verantwortlichen Architekten verhalten wollen.

Richter baut Brücke

Vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt hatte der zuständige Richter den beiden Parteien im Dezember abermals vorgeschlagen, einem Vergleich zuzustimmen. Statt der angedachten 1,2 Millionen Euro an Schadensersatzforderung billigte das Gericht der Stadt in einem Vergleichsvorschlag 375 000 Euro zu.

Zu dem Verfahren war es gekommen, da das zuständige Architekturbüro auf der Vorlage eines Gutachtens aus dem Jahre 2001 immer wieder beteuert hatte, dass nach einer Sanierung das Bad für weitere zwölf bis 15 Jahre nutzbar sei. Daraufhin waren 2002 von der Stadt die später eingeklagten 1,2 Millionen Euro in das marode Hallenbad investiert worden.

Da die Stadt das Verfahren in erster Instanz verloren hatte und jetzt eine Fortführung des Prozesses in zweiter Instanz möglicherweise nicht unbedingt erfolgreich für die Stadt enden würde, stimmte das Parlament einhellig dem Vergleich zu. Dieser war im Wortlaut schon einmal am 26. Mai 2011 so gefasst worden, doch seinerzeit hatte das Architekturbüro dem Vergleichsvorschlag nicht zugestimmt.

Keine genauen Zahlen

Vor der Abstimmung hatte es erhebliche Diskussionen gegeben. Denn eigentlich sollte Bürgermeister Hans Ries den Parlamentariern die Summe präsentieren, die die Stadt nun selbst an Gerichts- und Gutachterkosten aufbringen muss. Das konnte er jedoch nicht. Auch der die Stadt vertretende Rechtsanwalt sei dazu nicht in der Lage gewesen, da nicht bekannt sei, welche Kosten beispielsweise aktuell auf die Gegenseite entfallen. Erst wenn die genauen Zahlen vorliegen, könne man den Kostenanteil für die Stadt beziffern.

Da Ries auch keine Zahlen darüber liefern konnte, was denn die Stadt für das bereits zwei Jahre zurückliegende Ursprungsverfahren zu berappen hatte, fuhren einige Parlamentarier schier aus der Haut. „Wir gehen vielleicht plus-minus Null aus der Sache heraus und haben Rufmord an einem Heringer Gewerbesteuerzahler betrieben. Solche Verfahren sollten künftig nicht mehr angestrebt werden“, sagte Hans-Jürgen Fischer (SPD). Als Frechheit bezeichnete es Eckhard Bock (CDU), dass keinerlei Zahlen präsentiert wurden: „Wir sollen hier immer für dumm verkauft werden“.

Taube auf dem Dach

Peter Stötter (WGH) vermisste ebenfalls eine Kostenaufstellung: „Wir haben nun einmal die Musik bestellt und wüssten gerne, was sie kostet. Ich gehe mal von 150 000 bis 200 000 Euro für die Stadt aus“.

Auch Frank Roth (SPD) sprach sich dafür aus, mit Blick auf weitere Kosten den Vergleich anzunehmen: „Wir sollten uns für den Spatz in der Hand entscheiden. Die Taube fliegt uns womöglich davon“.

Von Mario Reymond

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