Horste nicht erfasst?

Naturschützer zweifeln Gutachten für Windpark auf dem Waltersberg an

Friedewald/Herfa. Ein neutrales naturschutzfachliches Gutachten für den geplanten Windpark Waltersberg hat die Bürgerinitiative für ein l(i)ebenswertes Friedewald gefordert (unsere Zeitung berichtete). Unterstützung in dieser Position erhält die Gruppe jetzt von Naturschützern.

Der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Dreienberg, Dieter Siebold, kritisiert, dass das im Auftrag des Investors Enercon vorgelegte Gutachten zur Naturverträglichkeit oberflächlich sei. Seine Kritik verdeutlicht Siebold an mehreren Beispielen: So seien 2011 in einer Erhebung zum Fledermausbestand auch Exemplare der Mopsfledermaus gefangen worden. Um das Vorkommen dieser geschützten Art zu erforschen, hätten die Tiere eigentlich besendert werden müssen, erklärt Siebold. Nach einer Eingabe des Nabu habe die Obere Naturschutzbehörde eine Nachuntersuchung angeordnet, welche aber ohne Ergebnis verlaufen sei. Fehlerhaft sind nach Siebolds Ansicht auch die ornithologischen Untersuchungen. So seien bei einer ersten Erhebung im Jahr 2010 die Horste von Vögeln kartiert worden. Allerdings nur rund um den Waltersberg. Das Baufeld sei laut dieser Untersuchung frei von Nistplätzen gewesen. 

Auf eine Eingabe des Nabu sei ein Brutplatz ausgemacht worden – allerdings an fehlerhafter Stelle, sagt Siebold. Alleine in diesem Gebiet gebe es fünf Horste. Einer davon könnte sogar der Brutplatz eines Schwarzstorches sein, sagt Siebold. Offenbar sei nicht genau genug nach vorhandenen Brutplätzen gesucht worden – obwohl diese vom Förster ausgezeichnet worden seien. Auch die 170 gekennzeichneten sogenannten Habitatbäume fänden keinen Eingang. Ebenfalls fehlerhaft sei die Dokumentation der umliegenden Rotmilan-Brutplätze: Darin seien bewohnte Horste als nicht besetzt erfasst worden. „Wenn man solche oberflächlichen Gutachten akzeptiert, kann man es auch ganz lassen“, ist Siebold überzeugt. Für den Nabu-Vorsitzenden wäre es sinnvoller, wenn die Gutachter von den Behörden statt von den Investoren ausgewählt würden. Diese Position teilt auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich aus Lautenhausen, der befürchtet, dass der Windpark noch vor der beschlossenen Drosselung des Windkraftausbaus zum Jahreswechsel durchgesetzt werden soll.

Das sagt der Gutachter

Günter Ratzbor von Ingenieurbüro Schmal und Ratzbor aus dem niedersächsischen Lehrte wies die Kritik auf Nachfrage unserer Zeitung zurück. Der von ihm beauftragte Fledermaus-Kartierer habe eine gefundene Mopsfledermaus als Einzeltier identifiziert. Bei zwei angeordneten Nachuntersuchung seien keine weiteren Tiere dieser Art gefunden worden. Habitatbäume seien nicht automatisch mit Brutplätzen gefährdeter Arten gleichzusetzen. Sie fänden deshalb nur in dem Umfang Berücksichtigung, wenn sie durch das Bauvorhaben direkt gefährdet würden. 

Entscheidend für die Windkraft-Gutachten seien die relevanten Arten. Am Waltersberg gebe es viele Horste; die meisten windkraftunempfindliche Arten. Insbesondere bei den Greifvögeln sei sehr sorgfältig gearbeitet und das Flugverhalten von brütenden Milanen in Raumnutzungsanalysen dokumentiert worden. Die Jagdflüge der am Waldrand brütenden Tiere führten ins Offenland. Zweck der Gutachten sei es, nach Konflikten und schädlichen Auswirkungen der Windkraftnutzung zu suchen. Entscheidend sei also nicht allein das Vorkommen sondern das signifikante Kollisionsrisiko. „Das können viele Naturschützer nicht verstehen“, sagt Ratzbor. Immer wenn die fachlichen Aussagen eines Gutachtens nicht mit subjektiven Vorstellungen vor Ort übereinstimmten, werde die fachliche Kompetenz in Zweifel gezogen. Ein dabei häufig ins Feld geführtes Urteil des Verwaltungsgerichts Gera sei vom Oberverwaltungsgericht aufgehoben worden.

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