Wochenendporträt: Friedewalds Pfarrer Hannes Georg (63) setzt sich zur Ruhe

Freude auf das Kommende

Dankbar für schöne Zeiten: Mit gemischten Gefühlen verlässt Pfarrer Hannes Georg nach 14 Jahren Ende des Jahres das Pfarrhaus in Friedewald. Die Zeichnung „seiner“ Kirche war ihm bei seinem Einzug zufällig in die Hände gefallen. Foto: Wagner

Friedewald. „Freude zu erfahren ist das Wichtigste an Weihnachten. Es ist bedauerlich, wenn es nur noch ums Schenken geht.“ Pfarrer Hannes Georg hat während seiner 40-jährigen Laufbahn als Pfarrer einen Wandel bemerkt. „Die Erwartungen der Menschen an die Kirche haben sich verändert“, erklärt er. Man sehne sich heute nach kirchlichem Rückhalt, um einen Ausgleich zum stressigen Alltag und dem hohen Druck im Berufsleben zu schaffen. Dennoch kommt die Seelsorge als kirchliche Aufgabe laut Pfarrer Georg immer noch zu kurz. „Aber ich bin verwöhnt“, sagt er und bezieht sich dabei auf seine frühere Tätigkeit als Suchtberater, die er sieben Jahre lang ausgeübt hat. „Dennoch besteht auch heute eine Scheu, an die Tür des Pfarrhauses zu klopfen“, meint er. „Darum habe ich oft in Eigeninitiative Menschen angesprochen.“

Wegfall alter Traditionen

Den Wandel und einen stetigen Rückgang der Mitgliederzahlen in der evangelischen Kirche erklärt er sich durch den Wegfall vieler alteingesessener Traditionen, die früher das Gemeindeleben prägten. „Die Menschen müssen sich die Frage stellen, ob und an was sie glauben.“

Positiv sieht Hannes Georg die Entwicklung junger Menschen während des Konfirmandenunterrichts. „Sie lernen, besser miteinander umzugehen. Das hilft ihnen in alltäglichen Situationen, zum Beispiel auf dem Schulhof.“ Dass es notwendig ist, bessere Umgangsformen zu lernen, liegt an der heutigen Gesellschaft. „Junge Leute sind zu oft auf sich allein gestellt“, erläutert der Geistliche.

Trotz der Wichtigkeit des bevorstehenden Weihnachtsfestes, nennt Pfarrer Georg Pfingsten als sein liebstes Fest im Kirchenjahr. „Es kommt meinen Gottesvorstellungen am nächsten, und es geht dabei um Kraft.“

Selbst Hürden überwunden

Diese Kraft musste er oft selbst aufbringen, um Steine zu überwinden, die ihm in den Weg gelegt wurden. So wollte er ursprünglich Kindergärtner werden, doch in seinem Herkunftsland Rumänien war dieser Beruf Frauen vorbehalten. In Deutschland blieben seine Bewerbungen um eine Pfarrstelle die ersten Jahre erfolglos, und erst 1998 zog er ins Friedewälder Pfarrhaus. Nach 14 Jahren als Pfarrer in der Gemeinde freut sich Hannes Georg nun darauf, weniger Verantwortung tragen zu müssen und sich private Träume zu erfüllen. Der größte davon ist eine Reise nach Nepal und Tibet. „Deren Geschichte finde ich faszinierend.“ Den Bürgern von Friedewald wünscht er, dass bald ein neuer Pfarrer in das leere Pfarrhaus einzieht und die Menschen merken, dass Veränderungen etwas Gutes sind. Darum zitiert er gerne den großen Lyriker Rainer Maria Rilke: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

Von Nicole Wagner

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