Aus der Gaststätte am Weinberg in Schenklengsfeld wurden Ferienwohnungen

Ferien in der alten Kneipe

Aus Dorfkneipe wurde Ferienhaus: Die ehemalige Gaststätte am Weinberg in Schenklengsfeld beherbergt nun Wohnungen für Touristen und Monteure. Fotos: Eisenberg

Schenklengsfeld. Die Schnitzel waren die Spezialität des Hauses. Dafür war die Gaststätte am Weinberg über die Gemeindegrenzen von Schenklengsfeld bekannt. Zu den besten Zeiten gab es eine Tanzbar, im Raum neben der Gaststube trafen sich die Vereine und viele Familienfeiern wurden in der Gaststätte ausgerichtet. Im Jahr 1963 hatte die Wirtin Elisabeth Büttner die Gastwirtschaft am Weinberg eröffnet. Jetzt hat Sonja Schmidt, die Enkelin der ersten Wirtin, das Gebäude zu neuem Leben erweckt.

Im Jahr 1958 hatte die Familie das Anwesen zwischen dem Bachlauf der Solz und dem Hang unterhalb des Friedhofs erworben und dort eine Gastwirtschaft mit Fremdenzimmern gebaut. In den 1970er Jahren wurde die benachbarte Scheune abgerissen und die Gaststätte erweitert. Ein Schwelbrand im Jahr 1978 richtete großen Schaden an. Danach musste saniert werden.

Als Wirtin Elisabeth Büttner pflegebedürftig wurde, übernahmen Sonja Schmidts Eltern das Gasthaus. Zuletzt wurde es von Mutter Waltraud Petzold und Bruder Klaus Landsiedel betrieben. „Allein haben wir es aber nicht mehr geschafft“, erzählt die letzte Wirtin Waltraud Petzold. Im Jahr 2000 gab die Familie das Gasthaus auf. Es folgten wechselnde Pächter und Nutzungen sowie zuletzt mehrere Jahre Leerstand. „Dann bin ich von meiner Familie dazu genötigt worden, etwas aus dem Gebäude zu machen“, scherzt Sonja Schmidt. Die 53-Jährige ist Inhaberin einer Tagungsagentur und betreibt in der Gemeinde Schenklengsfeld mehrere Ferienhäuser sowie ein Bistro im Ortsteil Wippershain. Insgesamt 270 000 Euro hat die Unternehmerin nach eigenen Angaben investiert. Innerhalb von zwölf Wochen wurde der einstige Familiengasthof zum Gästehaus mit 16 Zimmern umgebaut. Passend zum benachbarten Weinberg, an dem seit diesem Jahr Wein angebaut wird, trägt jeder Raum den Namen einer Rebensorte. Alle Zimmer sind individuell und farbenfroh gestaltet, teils mit Bad und eigener Küchenzeile ausgestattet. Lustige Sprüche und Weisheiten zieren die Wände des ganzen Hauses.

Seit Ostern vermietet Sonja Schmidt die Zimmer mit den insgesamt 45 Betten entweder einzeln an Monteure oder Urlauber, oder das gesamte Haus an Gruppen für Klassen- oder Famileintreffen und für Tagungen von Firmen.

Aus dem Raum, in dem einst die Schenklengsfelder Vereine zusammensaßen, ist nun die „Stub´“, ein Gemeinschaftsraum mit Weinkeller-Atmosphäre geworden. Und dort, wo einst die berühmten Schnitzel zubereitet wurden, wird manchmal wieder gekocht – von den Übernachtungsgästen selbst. Dort ist eine große Gemeinschaftsküche entstanden.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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