Fragen und Antworten zum Abwasserrohr – RP bereitet ab heute Raumordnung vor

Erste Skizzen für Kali-Pipeline

? Beim RP in Kassel tagt heute eine Antragskonferenz zum Bau einer Kaliabwasser-Leitung vom Werrarevier zur Oberweser. Was passiert da?

!Die Planer des Kasseler Kalikonzerns K+S treffen sich mit Vertretern der Genehmigungsbehörde, mit Gemeinden, Verbänden und Organisationen, die betroffen oder irgendwie sonst in die Planung eingebunden sind. Zunächst geht es um die Vorbereitung des Raumordnungsverfahrens. Ein späteres Baugenehmigungsverfahren sieht K+S nicht vor 2015 anlaufen.

? Was soll die Konferenz heute?

!K+S legt erste grobe Skizzen zur Pipeline vor. Alle anderen am Tisch bringen als Träger öffentlicher Belange eigene Anmerkungen und Ansprüche zur weiteren Planung ein.

? Was weiß man bislang zu den Rohrleitungsplänen?

!Das Rohr zur Oberweser gilt bei K+S als eine von drei Möglichkeiten zur langfristigen Abwasserentsorgung: Die Werra bliebe so von Laugeneinleitungen aus Fabriken und Salzhalden verschont.

? Wo soll das Rohr langlaufen und vor allem einmünden?

!Es gibt zwei Untersuchungskorridore: Erst quer durch den Kreis Hersfeld-Rotenburg, dann gabelt sich die Trasse im Schwalm-Eder-Kreis auf - weiter entlang der Midal-Erdgasleitung westlich an Kassel vorbei oder gebündelt mit der 380-kV-Trasse Wahle - Mecklar östlich der Stadt entlang und in einem Bogen durch den Landkreis Göttingen. Entschieden wird heute wie gesagt gar nichts - auch nicht Lage und Größe der an der Oberweser heftig umstrittenen Salzabwasser-Zwischenspeicher.

? Und die lange Variante hoch zur Nordsee?

!Der Stand von gestern: Dieselbe Art von Konferenz plant K+S in Niedersachsen „im ersten Halbjahr 2013“. Aber die rot-grüne Landesregierung in Hannover, die dort das Verfahren lenken muss, kommt ja erst heute ins Amt.

? SPD-Politiker aus Hessen, Niedersachsen und NRW haben den RP aufgefordert, die Leitungspläne zur Oberweser zu stoppen. Kann das so ein SPD-Protestbrief überhaupt?

!Wenn K+S den Bau und die Einleitung in die Oberweser beantragt, heißt es beim RP, muss die Genehmigungsbehörde den Antrag auch entscheiden. Was nicht zwingend bedeute, dass das Oberweser-Rohr zur Dauerlösung werde.

? Wie steht die neue rot-grüne Koalition in Niedersachsen zum Nordseerohr?

!Die Grünen sind schon lange dafür, die SPD im Landtag war bislang dagegen. Im Koalitionsvertrag haben sich die Partner jetzt ausdrücklich gegen die Oberweser-Variante gewandt - allerdings fehlt im Vertrag ein genauso ausdrückliches Bekenntnis zum Nordseerohr.

? Wann könnte die Leitung gebaut werden?

!Wenn sie genehmigt ist. Das 60-Kilometer-Rohr vom K+S-Standort Neuhof-Ellers zur Wera ging im Sommer 2011 in Bau. Es ist nach Angaben des Unternehmens zu 75 Prozent verlegt und soll noch im ersten Halbjahr 2013 startklar sein. Die Pipeline von der Werra an die Oberweser wäre mit 140 Kilometern aber mehr als doppelt so lang.

? K+S arbeitet an der Wiederinbetriebnahme des Reservebergwerks Siegfried-Giesen bei Hildesheim. Könnte das ein Argument für das lange Rohr zum Meer sein, mit einem Abzweiganschluss vielleicht?

!Nach Unternehmensangaben eher nicht: Siegfried-Giesen bringe abwassertechnisch kein Entsorgungsproblem, weil dort in der Produktion kein Abwasser entstehe, heißt es. Das Wasser von der alten Abraumhalde werde in der Produktion verwertet. Und eine neue Halde solle so flach angelegt sein, dass sie abgedeckt werden könne, und - anders als die Halden an der Werra, nicht mit jedem Regen Abwasser produziere.

Von Wolfgang Riek

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