Wochenendporträt: Pfarrer Dietmar Preiß blieb seiner Gemeinde 36 Jahre treu

Erste Liebe hat gehalten

Zwischen Umzugkartons und Akten: Bis zu seinem offiziellen Abschied nutzt Pfarrer Dietmar Preiß noch das Büro im Pfarrhaus an der Schenklengsfelder Goethestraße. Zu seinen persönlichen Erinnerungsstücken zählt die Beerdigungs-Agende, in der er alle 931 Sterbefälle seiner Laufbahn als Gemeindepfarrer handschriftlich vermerkt hat. Foto: Lenz

Schenklengsfeld. Dass ein Pfarrer sein gesamtes Berufsleben ein und derselben Kirchengemeinde widmet, ist heutzutage längst nicht mehr die Regel. Pfarrer Dietmar Preiß in Schenklengsfeld gehört allerdings zu diesen seltenen Fällen. Wenn er am letzten Sonntag dieses Jahres, beim so genannten Reste-Gottesdienst, in der evangelischen Mauritius-Kirche in den Ruhestand verabschiedet wird, hat er mehr als 36 Jahre ununterbrochen die Menschen der Landecker-Gemeinde auf ihren Lebensstationen begleitet, manche buchstäblich von der Wiege bis zur Bahre.

Die zweite Pfarrstelle in der großflächigen evangelischen Kirchengemeinde Schenklengsfeld war gerade neu eingerichtet worden, als der damals 26-jährige Dietmar Preiß nach der zweiten theologischen Prüfung dort im Oktober 1977 seinen Dienst antrat. Einen Eindruck von der kirchlichen Gemeindearbeit hatte er bis dahin lediglich durch sein Vikariat erhalten. Anfangs gehörte auch noch die Kirchengemeinde Wippershain zu seinem Bezirk. Nun wird Preiß keinen unmittelbaren Nachfolger haben – wie überall in der Landeskirche werden auch die Pfarrstellen im Landecker Amt neu zugeschnitten und im konkreten Fall von bisher dreieinhalb auf zweieinhalb Stellen gekürzt.

Bodenständig

Als sein Kollege der ersten Jahre, Pfarrer Wilfried Wicke, zu einer anderen Pfarrstelle wechselte, bezeichnete er Schenklengsfeld als seine „erste Liebe“, die immer etwas besonderes bleibe. „Bei mir hat die erste Liebe ein ganzes Berufsleben gehalten“, sagt heute Pfarrer Preiß. „Ich war schon als Student bodenständig.“ Er habe seinen Kirchturm sehr geliebt, aber auch immer über ihn hinaus geblickt – als stellvertretender Dekan des Kirchenkreises Hersfeld, als Vorsitzender der Gemeinde-Diakoniestation für das östliche Kreisgebiet, als Notfall-Seelsorger und zeitweise auch als Mitglied der Liturgischen Kammer der Landeskirche. „Pfarrer war ein Beruf, in dem ich selbst die Schwerpunkte setzen konnte“, sagt Preiß rückblickend. Dankbar ist er, dass er sich den Jüngsten der Gemeinde im kirchlichen Kindergarten „Die Spielstunde“ widmen und mit der mobilen Kranken- und Altenpflege einen diakonischen Schwerpunkt in seiner Arbeit setzen konnte.

Er holte Kunst und Kultur in die Mauritius-Kirche in Form von Konzerten, Chorauftritten und Ausstellungen. Zusammen mit seiner Kollegin, Pfarrerin Marie-Therese Eckardt, entwickelte Dietmar Preiß für die Dankeschön-Abende der kirchlichen Mitarbeiter eine besondere Form des Kirchenkabaretts.

Vor allem aber lag ihm als Gemeindepfarrer mit Leib und Seele die Gestaltung der Gottesdienste am Herzen. Dabei kamen ihm seine „Liebe zum Wort“ und seine Ausbildung im Bibliodrama zugute.

Von Peter Lenz

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