Fragen und Antworten zum Windpark Gaishecke: Heringen, Wildeck und Friedewald betroffen

Energie gewinnen und Vögel schützen

Heringen. Der geplante Windpark Gaishecke im Seulingswald umfasst 16 Anlagen. Er grenzt an die Kommunen Friedewald, Wildeck und Heringen. Das Regierungspräsidium Kassel ist nach dem Erörterungstermin (HZ von gestern) am Zug und muss sehen, ob der Park genehmigungsfähig ist.

? Wo sitzen die Gegner dieses Windparkprojekts?

!Sie verteilen sich auf alle drei angrenzenden Kommunen. Ganz besonders viele Gegner sitzen im Heringer Stadtteil Herfa. Dort wird befürchtet, dass der Ort schon in einigen Jahren rundherum von Windanlagen eingekreist sein könnte. Insgesamt haben 16 Bürger private Einwände vorgelegen.

? Besteht diese Furcht zurecht?

!Wohl schon. Denn neben dem Projekt Gaishecke gibt es noch ein Vorhaben auf dem Waltersberg, das derzeit ebenfalls im Genehmigungsverfahren steckt. Dort plant Enercon zehn Anlagen umzusetzen. Und auch direkt an der A 4 bei Friedewald sowie auf dem Roteberg zwischen Hermannshof und Friedewald könnten noch einige Windräder platziert werden.

? Gibt es auch Bedenken von Verbänden gegen den Windpark Gaishecke?

!Ja. Der Nabu und die Naturkundliche Gesellschaft Mittleres Fuldatal möchten ausschließen, dass die Natura 2000-Vogelschutzgebiete im Rhäden und am Seulingssee bei Kleinensee beeinträchtigt werden. Außerdem haben sie dargelegt, dass es im Seulingswald schützenswerte Vogelearten und Tierarten wie Waldschnepfe, Uhu, Schwarzspecht, Raufußkauz, Hohltaube, Sperlingskauz, Schwarzstorch, Rot- und Schwarzmilan sowie Fledermäuse gebe. Zudem dürften durch die Windräder Vogelzuglinien nicht beeinträchtigt werden.

? Was sind die größten Sorgen der privaten Kritiker?

!Schattenwurf und Infraschall. Der von Windanlagen ausgehende Infraschall sei nicht hörbar. Infraschall-Beeinträchtigung durch Windkraft habe es bisher nicht gegeben, erklärte Wolfgang Weber vom RP. Auf den Schattenwurf werde seine Behörde genau achten. Die Menschen in einem Gebäude dürften maximal 30 Minuten am Tag durch Rotorschatten gestört werden. Dann müssten sämtliche Schatten werfenden Anlagen über eine Automatik abgeschaltet werden.

? Gibt es für Bürger die Möglichkeit einer Beteiligung?

!Es gibt eine neues Kapitalanlegergesetz. Handel mit Finanzprodukten dürfen nur noch Banken tätigen. „Bis 19 Kommanditisten wäre eine Beteiligung noch erlaubt. Das macht aber wenig Sinn, weil wir breit beteiligen möchten“, erklärt Projekt-Geschäftsführer Ingo Sauer.

? Wie sieht diese neue Form des „Partizipierens“ aus?

!„Wir wollen einen Windsparbrief auflegen. Die Gespräche mit Banken laufen. Die Briefe sollen für 10 000 Euro zu haben sein und von der Bank mit 3,5 Prozent verzinst werden – Mindestlaufzeit fünf Jahre. Das ist unser Ziel für Anleger. Das Risiko trägt die Bank“, erklärt der Investor.

? Was passiert mit alten, nicht mehr wirtschaftlichen Windrädern?

!Die werden natürlich zurückgebaut. Der Investor muss noch vor Baubeginn eine Sicherheitsleistung von 1000 Euro pro Meter Nabenhöhe hinterlegen. Bei den geplanten Nordex N-117-Anlagen wären das 141 000 Euro pro Windrad.

Von Mario Reymond

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