Kunsthandwerker Rigobert Wattenbach hat sich in einer Holzvitrine verewigt

Einlegearbeiten für Documenta

Nach der eigentlichen Einlegearbeit wird das Kunstwerk mehrmals geschliffen und anschließend lackiert.

Unterneurode. Rigobert Wattenbach aus Unterneurode versteht sich nicht als Künstler. Der gelernte Tischler bezeichnet sich selbst lieber als Kunsthandwerker. Und dennoch zieren aktuell fünf seiner Intarsien ein Kunstwerk der documenta13 in Kassel.

530 Holzbücher

Im oberen Geschoss des Ottoneums in Kassel hat documenta-Künstler Mark Dion aus den USA eine sechseckige Vitrine gebaut für ein wertvolles Exponat, das es in Kassel schon seit Generationen gibt: Der Kasseler Carl Schildbach hat zwischen 1771 und 1799 eine Holzbibliothek gestaltet. 530 Kästchen aus verschiedenen Holzsorten, die Buchrücken sind aus der Rinde je eines Baumes, das Innere zeigt Blätter, Äste und Früchte. Zusätzlich hat Dion selbst neue Holzbücher geschaffen, auch aus einer Beuys-Eiche. Und weil die Außenseiten der Vitrinen mit Bäumen verziert werden sollten, kam Wattenbach ins Spiel. „Ich hatte im vergangenen Jahr Post im Briefkasten, ob ich nicht fünf Intarsien für das Kunstwerk fertigen wollten. Die Auftragsarbeit habe ich dann gerne erledigt“, sagt Wattenbach. Zum Einsetzen der Intarsien, für die er etwa fünf Monate benötigte, war Rigobert Wattenbach bereits in Kassel. Noch einmal zwei Tage will er sich für die gesamte documenta13 Zeit nehmen und sich auch all die anderen Kunstwerke ansehen. „Ich bekomme für mich und meine Familie Eintrittskarten. Ich weiß aber noch nicht genau, wann ich wieder nach Kassel fahren werde“, teilt Wattenbach mit.

Damit seine Intarsien lebendig erscheinen, muss er viele unterschiedliche Holzarten verwenden. Für die fünf documenta-Intarsien benötigte der Kunsthandwerker fast zwanzig verschiedene Hölzer. Darunter Akazie, Amboina, Kampfer, Essigbaum, Kirschbaum, Papageienholz, indischer Apfelbaum, Ulme und Ebenholz.

Bei einer Intarsie wird aus einer dicken Holzplatte das einzubringende dünnere Holz – Furnier – ausgegründet und in die stärkere Platte eingefügt. Die Furniere werden von Wattenbach in Handarbeit mit scharfen Messern geschnitten, zusammengefügt und anschließend aufgeleimt. Danach wird alles mit Hand geschliffen – eine Intarsie ist nur 0,7 Millimeter stark – und mit hochwertigen Lacken versiegelt.

Von Mario Reymond

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