Jugendliche aus Heringen fuhren in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

Mit eigenen Augen sehen

Viele bewegende Momente erlebten die Jugendlichen aus Heringen, gemeinsam mit Jungen und Mädchen aus der polnischen Partnerstadt Odolanow und aus der französischen Stadt Cholet im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Foto: nh

Heringen. Zusammen mit einer polnischen und einer französischen Gruppe hat in der vergangenen Woche eine Gruppe der Stadtjugendpflege Heringen die kleine polnische Stadt Oswiecim, zu Deutsch Auschwitz, besucht. In Begleitung des Heringer Jugendarbeiters Jörg Lorey sowie weiterer Betreuer und Übersetzer haben die Jugendlichen das Stammlager Auschwitz, sowie den weitaus größeren Teil des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau besichtigt.

Das Leitthema der sehr bewegenden und interessanten Fahrt war das KZ-Leben des ehemaligen Inhaftierten Stanislaw Hantz (1923-2008), den Jörg Lorey noch selber kennengelernt hat. „Insgesamt war die Woche für uns alle sehr lehrreich und hat uns in gewissen Hinsichten noch viel mehr die Augen darüber geöffnet, wie grausam und vor allem wie falsch die Taten der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg waren“, erklärt Jörg Lorey. Ziel der Reise war, abseits des „Gedenkstätten-Tourismus“ und jenseits der angebotenen Führungen durch das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau eigene persönliche Zugangsmöglichkeiten zum Thema und zum ehemaligen Lagergelände zu finden. Dabei begab sich die Gruppe auf die Suche nach Spuren des verstorbenen Zeitzeugen Stanislaw Hantz, der zwischen seinem 17. bis 21. Lebensjahr selbst als politischer Gefangener in Auschwitz inhaftiert war und nach dem Krieg Präsident der ehemaligen Gefangenen von Auschwitz wurde.

„So begleiteten uns Staszeks Erlebnisse und wir lernten „sein Auschwitz“ in der Zeit von August 1940 bis November 1944 kennen – sowohl das Stammlager als auch Birkenau“, erzählt Lorey. Aufgrund seiner Arbeit im „Arbeitskommando Zimmerei“ hatte Staszek häufig Gelegenheit, unterschiedliche Bereiche im Lager und im Außenbereich kennen zu lernen. Besonders beeindruckend waren seine Schilderungen über den menschlichen Umgang der Täter und Opfer im System „KZ“ untereinander, von Liebe, Hass und Tod, das Vorstellbare und das Unfassbare.

Der menschliche Umgang untereinander, der „Alltag“ im Lager selbst, die Willkür von Strafen und der tägliche Kampf ums Überleben bewegten jeden Einzelnen dazu, sich mit den Themen Freundschaft oder Ausgrenzung auch im eigenen Leben zu beschäftigen. Die Jugendlichen verglichen ihr Leben mit dem aus der Vergangenheit und fanden hierüber einen ganz eigenen Zugang zur Geschichte und den Geschichten von Staszek und eine neue Sicht auf unsere heutige, wertvolle Lebenssituation.

Hinzu kommt, dass die persönlichen Erlebnisse und Geschichten von Staszek in dem im Jahr 1998 erschienenen Buch „Zitronen aus Kanada“ (Herausgeber: Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau) niedergeschrieben wurden und das Leben im Lager eindrucksvoll beschreiben. Über mehrere Jahre hat er während zahlreicher Ortstermine auf dem Gelände von Auschwitz seine Erinnerungen und Erlebnisse im Lager aufgearbeitet. (red/zac)

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