Heringens Bürgermeister wehrt sich gegen angedachte Renaturierung des Herfabachs

Die Brücke sorgt für Ärger

Ärger ums Bachbett: Heringens Bürgermeister Hans Ries hat unter der Brücke über den Herfabach in Wölfershausen keinen Sandstein einbauen lassen. Er verweist auf das natürliche Sediment, das sich dort bereits gebildet hat. Foto: Eisenberg

Wölfershausen. Eine Brücke über den Herfabach im Heringer Stadtteil Wölfershausen sorgt für neue Spannungen zwischen Bürgermeister Hans Ries und dem Landkreis.

Vor etwa zwei Jahren hatte die Stadt das Betonbauwerk, das kurz hinter dem Ortseingang aus Richtung Herfa in eine Seitenstraße abzweigt, als Ersatz für die marode Vorgängerbrücke errichten lassen. Dabei war die Brücke mit einer Betonsohle errichtet worden. Dieser Betonboden ist allerdings laut der beim Landkreis angesiedelten Unteren Wasserbehörde nach der Wasserrahmenrichtlinie nicht mehr zulässig.

So jedenfalls schildert es Hans Ries. Der Kreis habe die Stadt deshalb aufgefordert, im Bereich unter der Brücke Eichenbalken sowie ein Sediment aus Friedewälder Sandstein einzubauen. Eine Ausschreibung habe dafür Kosten von 60 000 Euro ergeben. Während der Arbeiten müsse der Bach, auf dessen Grund auch oberhalb der Brücke Betonschalen liegen, umgeleitet oder umgepumpt werden, so der Bürgermeister. Ries sieht in der teuren Baumaßnahme aber keinen Sinn. Denn auf der Betonfläche habe sich längst ein natürliches Sediment gebildet, das abgebaggert und durch ein künstliches ersetzt werden müsste. Während bei Friedewald Basaltstein in den Bach eingebaut worden sei, müsse es hier Friedewälder Sandstein sein. „Der Wasserfloh liebt eben die Abwechslung“, merkt Ries polemisch an. Mittlerweile akzeptiere die Behörde statt der Eichenbalken auch Betonborde, was jedoch technisch nicht möglich sei.

Ohne gültigen Haushalt könne er die Arbeiten ohnehin nicht in Auftrag geben, so der Rathauschef. „Selbst Buswartehäuschen dürfen wir nicht errichten lassen, weil sie als freiwillige Leistungen zählen.“ Zudem ärgert Ries, dass die Wasserrahmenrichtline offenbar nicht einheitlich angewendet werde und etwa die thüringischen Nachbargemeinden noch immer Abwasser ungeklärt in den Suhlbach bei Kleinensee entsorgten.

Der Kreis habe jetzt damit gedroht, die Arbeiten nach dem 1. September auf Kosten der Stadt anzuweisen. Langfristig fürchtet Ries, dass auch der seit 30 Jahren betonierte Bachlauf in Herfa renaturiert werden müsse. Das ziehe aber die vor kurzem frisch sanierte Ortsdurchfahrt in Mitleidenschaft.

Info-Veranstaltung

Bei einer Informationsveranstaltung den Sinn der Baumaßnahme zu erläutern, hätten die Behörden abgelehnt. Ries hat dennoch für Donnerstag, 28. August, ab 19 Uhr zu einer solchen Veranstaltung ins Gemeinschaftshaus Wölfershausen eingeladen, auf der er seine Sicht der Dinge schildern will.

Beim Landkreis wollte sich gegenüber unserer Zeitung in dieser Woche niemand zu dem Sachverhalt äußern. Auskunft könne nur Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt persönlich geben, der in dieser Woche auf Dienstreise in Polen weile, hieß es aus dem Landratsamt.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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