Hessischer Ministerpräsident äußert sich bei Grubenfahrt auch zur Nazi-Mordserie

Bouffier: „Grober Unfug“

Von Journalisten umringt: Ministerpräsident Volker Bouffier bei seiner Grubenfahrt im K+S Werk Werra. Foto: Eisenberg

Philippsthal. „Herr Bouffier, waren Sie schon jemals so tief unten?“ Die Temperatur von annähernd 30 Grad Celsius treibt dem Hessischen Ministerpräsidenten die Schweißperlen auf die Stirn, über die zweideutige Frage kann Bouffier dennoch lachen. Im Steinkohlebergbau in Oberhausen sei er tiefer gewesen, lautet seine Antwort. Zum Erstaunen vieler Journalisten äußert sich Bouffier auch zum Vorwurf, er habe die Aufklärung des Mordes in einem Kasseler Internetcafé verhindert. „Das ist grober Unfug“, kommentiert Bouffier mit markigen Worten.

Der Vorsitzende des Bundestags-Untersuchungsausschusses, Sebastian Edathy (SPD), hatte ihm das vorgeworfen. „Ich habe selten so viel Unsinn gehört“, sagt Bouffier in die Radio- und Fernsehmikrofone. Seit sechs Jahren gebe es in der Sache keine neuen Erkenntnisse sagt Bouffier und kündigt an, vor dem Untersuchungsausschuss aussagen zu wollen. Geladen sei er dazu allerdings noch nicht. Als Bouffier in gut 800 Metern Tiefe auf die Journalisten trifft, war er mit einer K+S-Delegation bereits in der Grube unterwegs. Von den Ausmaßen des Bergwerkes zeigt sich der Ministerpräsident sichtlich beeindruckt.

Mit Blick auf die Umweltbelastung spricht sich Bouffier für einen „Spagat zwischen Naturschutz und Industrie“ aus, lobt das Maßnahmenpaket zur Reduzierung des Salzfracht in der Werra, das auch nach 2015 fortgesetzt werden müsse. „Übertriebenen Forderungen“ wie Werksschließungen erteilt Bouffier hingegen eine klare Absage. Von Borhauer Karl-Josef Bein lässt sich Bouffier, begleitet vom Blitzlichtgewitter der Fotografen, die Funktionsweise eines Sprenglochbohrwagens erklären.

Kurz darauf steigen Bouffier und seine Begleiter wieder in einen Kleinbus und entschwinden aus dem Blickfeld der Journalisten ins dunkle Streckennetz des Bergwerks.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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