Sieben angehende Sozialassistenten nahmen mit ihrer Lehrerin an einem Projekt im polnischen Kreisau teil

Bildungswoche baut Brücken

Jederzeit wieder: Sieben angehende Sozialassistenten haben am Projekt Brückenschlag im polnischen Kreisau teilgenommen. Es sind dies von links: Lehrerin Kirsten Siegl, Laura Göbel, Robert Werdenigg, Anika Ritz, Jasmin Ries, Marielle Schorn, Robert Götz und Franziska Mangold. Foto: nh

Heimboldshausen. Berührungsängste haben sie keine, die sieben Schülerinnen und Schüler der Höheren Berufsfachschule für Sozialassistenz in Heimboldshausen. Bereits zum zweiten Mal nahmen sie jetzt an einer Bildungswoche im polnischen Kreisau – auf dem Gelände des ehemaligen Guts Moltke – teil.

„Ziel dieses multilateralen Projekts ist es, behinderte und nichtbehinderte Menschen zusammenzuführen. Es gilt Grenzen abzubauen und miteinander in Kontakt zu kommen“, erklärt Berufsschullehrerin Kirsten Siegl. Sie unterrichtet die angehenden Sozialassistenten an der Außenstelle der Beruflichen Schulen Bad Hersfeld in Heimboldshausen.

Dieser sogenannte Brückenschlag zwischen jungen Menschen aus Polen, Tschechien, Ungarn und Deutschland sei durch keine Schulstunden und auch kein Praktikum zu ersetzen. „Man sammelt ganz andere Erfahrungen, wenn man rund um die Uhr mit behinderten Menschen zusammen ist“, verdeutlicht Siegl.

Während der Projektwoche, an der auch sechs Schüler der Bebraer August-Wilhelm-Mende-Schule teilnahmen, wurde den angehenden Sozialassistenten auch deutlich, dass der Umgang mit behinderten Menschen von Land zu Land unterschiedlich ist. „Die Tschechen sind distanzierter zu behinderten Menschen und lassen den Kontakt nicht so sehr zu“, erinnert sich Marielle Schorn an die Zeit in Polen. Diese war geprägt von gemeinsamen Workshops. Behinderte und nichtbehinderte Menschen arbeiteten dabei zusammen. Angeboten wurden moderne Kunst, Theater sowie Rhythmus und Bewegung.

„Bis zu dieser Fahrt hatte ich nie Kontakt zu Behinderten. Und doch hatte ich keinerlei Berührungsängste. Das hätte ich vorher nicht gedacht“, berichtet Jasmin Ries. Ihr Praktikum absolviert sie in einem Kindergarten. Später aber möchte sie mit Behinderten arbeiten. „Von alleine und ohne dieses Projekt wäre ich nie darauf gekommen, einmal mit behinderten Menschen arbeiten zu wollen“, führt Ries weiter aus.

Obwohl zwischen den etwa 60 Teilnehmern aus vier europäischen Ländern von der ersten Minute an ein richtiges Vertrauensverhältnis bestand, wie es Anika Ritz beschreibt, mussten dennoch Barrieren abgebaut werden. So waren beispielsweise Gehörlose aus Ungarn und Polen Projektteilnehmer. Und die Gebärdensprache in diesen beiden Ländern ist so unterschiedlich wie es die eigentlichen Sprachen auch sind. Folglich mussten auch für die Gehörlosen immer wieder „Dolmetscher“ gefunden werden. Doch schon nach einiger Zeit hatte sich das Problem gelöst. „Es wurde mit Händen und Füßen kommuniziert. Das klappte ganz gut“, sagt Robert Werdenigg, der sich mit zwei Gehörlosen ein Zimmer teilte.

Die Heimboldshäuser Berufsfachschüler würden diesen lehrreichen Brückenschlag jederzeit noch ein drittes Mal mitmachen.

Von Mario Reymond

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